Wie ist Bodo Förster, geboren vor 48 Jahren im thüringischen Saalfeld, Fagottist, später Trompeter im örtlichen Jugendorchester, hierhergekommen? Wie ist er zum unübersehbaren, unüberhörbaren Leitbullen für Dutzende Elefanten geworden, dessen Unternehmen rund 400 Menschen im Umkreis ernährt?

Bodo nennt sein Leben eine »typische Osthippie-Biografie«. Er dressierte die ersten Tiere im Alter von neun Jahren, vergesellschaftete einen Wellensittich mit einer weißen Maus. Nachdem er bei der NVA beinah vor die Hunde gegangen wäre, kam er 1986 nach Berlin, lebte mit Frau und Kindern zwei Jahre auf der Straße, nahm schließlich einen Job als Hilfsarbeiter in der Futtermühle des Tierparks Friedrichsfelde an. Ein paar Meter weiter standen die Elefanten. Er ging zum Zoodirektor: Das will ich machen. Tembo, sein erster Bulle, damals ein Kalb, lebt heute noch. 1989, in der Nacht zu Bodos Geburtstag, fiel die Mauer. Er schwor sich: In einem Jahr bist du in Asien. Er wollte dorthin, wo die besten Elefantenführer ausgebildet werden, nach Laos und Thailand. Er blieb vier Monate und kam immer wieder. Vor zehn Jahren eröffnete er sein erstes Camp. Bodo, der es hasst, wenn man ihn »den Elefantenflüsterer« nennt. Nicht nur, weil er mit einem ironischen Blitzen in den Augen herumschnauzt, als wolle er sich nachträglich noch einmal über die NVA lustig machen.

Sri Chinmoy, der greise indische Guru, zu dem schon Carlos Santana ging, kam eines Tages zu Bodo und wollte einen Elefanten heben. Eine seiner spektakulären, medienwirksamen Aktionen. Mit ihm kamen Hunderte von Beobachtern und Kamerateams. Ein Kalb von knapp 300 Kilo wurde ausgesucht, es wollte nicht stehen bleiben auf der Plattform, unter die der Guru treten sollte, um es anzuheben. Die Mutter drehte durch. Bodo schickte alle weg und »überredete die Mutter, ihr Kalb zu überreden«. Und Sri Chinmoy konnte seinen Elefanten stemmen.

Bodo, der bei seinen längeren Trekkingtouren ohne Zelt im Dschungel schläft, er sagt: Die Begegnung mit der Kreatur ist etwas Spirituelles. Ihn habe sie Demut und Gelassenheit gelehrt.

Eigenschaften, die hilfreich sind bei der dritten und letzten Stufe des Kurses: Baumstämme verladen. Dazu muss man sich mit mehreren Elefanten und den Reitern koordinieren. »Oh!« heißt das Kommando, kurz und guttural hervorgestoßen. Mindestens zwei Tiere gleichzeitig heben einen Baumstamm an, schubsen ihn dann mit den Füßen einmal quer über die Lichtung und stapeln die Stämme. Nach zwei Stunden in der Mittagssonne sind alle geschafft. Auch die Menschen.

Bodo und ich sitzen hinten, in dem Korb. Mek reitet Phu Sii. 120 Kilo Bodo, 85 Kilo Ralph, 50 Kilo Mek. Wir halten auf einen Wasserlauf zu. Phu Sii hebt den Rüssel und trompetet. Er will nicht in dieses Wasser. Vor Kurzem, während der Regenzeit, war der Wasserlauf ein reißender Strom. Bodo brüllt etwas auf Thai. Dann steigt Phu Sii ins Wasser. Rechts und links ragen die Berge auf. Wir rauchen.

Werde ich auf immer in Phu Siis riesigem Gehirn gespeichert sein? Phu Sii hat dich morgen schon vergessen, sagt Bodo. »Ich übrigens auch. Ich habe übermorgen die nächsten Gäste und muss mich völlig neu einstellen und einlassen.«

Phu Sii wird mich vergessen. Ich ihn nicht.