China

In China schaut man derzeit genau, woher der Wind weht. Die Werte radioaktiver Strahlung an der Küste werden genau überwacht. Die Katastrophe in Japan hat alle schockiert, doch heißt das auch, dass die Regierung ihre ehrgeizigen Atompläne überdenkt? Derzeit hat China 13 Reaktoren, bis 2015 sollen es 40 sein. Vize-Umweltminister Zhang Lijun versicherte am Samstag, China werde seine Atompläne nicht ändern, aber nun noch mehr auf Sicherheit achten.

Tatsächlich aber schiebt man den Bau seit einigen Monaten vor sich her, angeblich weil es einen Kampf gibt zwischen Befürwortern eines schnellen Ausbaus und Skeptikern. Letztere bezweifeln, dass China genug erfahrenes Personal hat, um so viele Kraftwerke zu betreiben. Dies sagte Anfang der Woche ein hoher Beamter der Chinesischen Gesellschaft für Kernenergie zumindest der Agentur Reuters.

Das Land steckt in einer Zwickmühle. China ist nicht nur der größte CO₂-Emittent, es ist mittlerweile auch der größte Konsument und Erzeuger von Energie . Noch immer werden fast 70 Prozent der Energieversorgung durch Kohle gedeckt. Die Regierung will diesen Anteil unbedingt senken. Bis 2020 sollen 15 Prozent der Energie aus nicht fossilen Quellen stammen. Nur wie? "Welche Energieform welchen Teil des Kuchens ausmacht, wird heiß diskutiert", sagt die Klima-Expertin Li Yan von Greenpeace China. Die Regierung investiert intensiv in erneuerbare Ressourcen , setzt aber auch auf höchst umstrittene große Wasserkraftprojekte und Kernenergie. Umweltorganisationen wie Greenpeace hingegen drängen auf Energiesparen und einen größeren Anteil "wirklich sauberer" Energieformen wie Wind und Sonne. Derzeit stammten rund neun Prozent aus erneuerbaren Quellen, sagt Li, und weniger als zwei Prozent aus Kernenergie. "Noch ist es ein Thema für die Eliten", sagt Li. "Die Leute sorgen sich viel mehr um die sichtbare Umweltverschmutzung von Wasser, Luft und Böden."

Doch das könnte sich bald ändern. Auch die chinesischen Atomkraftwerke liegen allesamt an der Küste und sind damit besonders anfällig für Taifune oder Tsunamis. Eine Onlineumfrage, die das Volksnetz, ein Ableger der offiziellen Volkszeitung, am Sonntag startete, ergab nach erster Zählung: 146 der Abstimmenden waren gegen die Kernenergie, 19 dafür.

Angela Köckritz