Es ist nicht einfach, über Geld und Aktien zu schreiben, während Menschen sterben. Aber die vermeintlich anonymen "Märkte", die ja in Wirklichkeit Millionen große und kleine Anleger sind, reagieren schnell und brutal: Deutsche Versorger werden abgestraft, weil japanische Atommeiler explodieren. Die Aktienkurse von Rückversicherern sinken ebenso ins Bodenlose wie die japanischer Auto- und Elektrofirmen. Und die Anteilsscheine der Solar- und Windindustrie? Die wurden zuletzt nur noch mit spitzen Fingern angefasst. Drei Tage nach der AKW-Katastrophe in Fukushima werden sie gekauft wie geschnitten Brot.

Man kann die Börse also für einen Hort von herzlosen Zynikern halten, alle auf der Suche nach dem schnellen Geld. Oder man macht es sich ein bisschen schwerer. Am Aktienmarkt werden – in guten wie in schlechten Zeiten – die Zukunftsaussichten von Unternehmen und Branchen verhandelt; mitunter auch die Chancen und Risiken ganzer Länder und Regionen. So ist es auch jetzt: Kollektiv wird gegenwärtig der Daumen gehoben – oder gesenkt.

Eine der nächsten Fragen, die an den "Märkten" verhandelt werden dürfte, ist die nach der Überlebensfähigkeit des japanischen Staats . Auch das klingt angesichts des millionenfachen Leids in Japan zynisch. Aber das Land, auf das 8,7 Prozent der Weltwirtschaftsleistung entfallen, war schon vor der dreifachen Katastrophe mit weit über 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet . Eine Pleite wurde nach Ansicht vieler Experten nur dank ausgesprochen niedriger Renditen auf seine Schuldverschreibungen vermieden. Damit könnte jetzt Schluss sein. Die Renditen werden steigen und damit die Finanzierungskosten des japanischen Staats.

Was das für Sie und mich bedeutet? Wir sollten uns die Frage stellen, ob die Welt in der Lage ist, eine Insolvenz Japans zu überstehen – zwei Jahre nachdem das Weltfinanzsystem schon einmal kurz vor einer Kernschmelze stand. Oder anders gesagt: Die Zeiten werden wieder sehr ungemütlich.