Vielleicht lag in den Worten eine Ehrlichkeit, wie sie nur Menschen finden, die neu im Geschäft sind. Thomas Ebeling war noch nicht einmal sechs Monate lang ProSiebenSat.1-Chef, als er vor anderthalb Jahren offen über "wirtschaftlich problematische" Nachrichtensendungen sinnierte. Einige Monate später war der Nachrichtenkanal N24 der Senderkette verkauft, die Nachrichten werden seitdem außer Haus produziert.

Ebelings Konkurrentin Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin von RTL Deutschland, trat sogleich in die Marktlücke, die sich vor ihr auftat, und brüstet sich seit Ebelings Schmähung der Infoware besonders offensiv mit RTL Aktuell, das beim jüngeren Publikum erfolgreicher ist als Tagesschau und heute . Wo Ebeling von schnöden Finanzen sprach, redet sie viel lieber von "gesellschaftlicher Verantwortung".

Immerhin sendet RTL in bewegten Tagen wie diesen tatsächlich viele Sondersendungen, und man möchte Anke Schäferkordt ihre warmen Worte auch gerne glauben – aber noch leichter fällt es, Ebeling zu glauben.

Er warf mit seinem Beitrag eine grundlegende Frage auf: Sind die Privaten nur Konsum und Kommerz verpflichtet, oder müssen sie noch etwas anderes leisten? Und wenn, was genau? Im Rundfunkstaatsvertrag findet sich die Verpflichtung für die Sender mit Vollprogramm, Nachrichten zu senden. Aber nirgends steht, in welcher Qualität. "Uns ist damals klar geworden, dass wir eigentlich nur zusehen können, wenn ein Sender die Kosten für die Nachrichten um die Hälfte kappt", sagt Thomas Fuchs, der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten.

Bei RTL muss man sich bei aller Leidenschaft für den gesellschaftlichen Auftrag auch gefragt haben, ob man sich, wenn man denn schon mehr Aufwand für die Nachrichten betreibt als die Konkurrenz, nicht auch irgendwie belohnen lassen könnte. Zumindest gesellte sich aus den RTL-Reihen zu der Rede von der gesellschaftlichen Verantwortung auch immer öfter die Frage nach möglichen "Anreizen".

Fuchs und seine Kollegen griffen das Thema auf und gaben beim Hans-Bredow-Institut ein Gutachten in Auftrag, das die "Optionen für eine anreizorientierte Regulierung der Leistungen privater Rundfunkveranstalter" auslotet. Es liegt der ZEIT vor und wird an diesem Donnerstag in Berlin auf dem Symposium der Landesmedienanstalten vorgestellt.

Die Punkte, die die Autoren Wolfgang Schulz und Thorsten Held ausbreiten, sind eindeutig. Es gibt danach Möglichkeiten für den Gesetzgeber, das Zuckerbrot auszugestalten und im Gegenzug mehr davon zu verlangen, was seit einiger Zeit unter "Public Value" firmiert – also gesellschaftlichem Mehrwert. Weniger strenge Werberegeln wären etwa so ein Anreiz oder ein besser auffindbarer Platz in der Kabelbelegung. So sind zum Beispiel die bei Unternehmen sehr beliebten Single-Spots, die nicht im Werbeblock untergehen, nach europäischem Recht nur in Ausnahmefällen erlaubt. Nach dem Gutachten wäre es möglich, bestimmten Vollprogrammen generell diese Ausnahme zu gestatten.

Direkte finanzielle Unterstützung im Gegenzug für mehr Nachrichten ist eher unwahrscheinlich – es würde die Grenze zum öffentlich-rechtlichen System verwischen. "Ich glaube nicht, dass sich jemand an ein Gebührensystem für Private herantraut", sagt denn auch Fuchs.