Nun ist es ja so, dass Taxifahrer im journalistischen Gewerbe zwar recht beliebt sind, aber gewöhnlich nicht gerne vorgezeigt werden. Reporter, die zugeben, dass sie ihre Originaltöne von Volkes Stimme im Taxi zwischen Flughafen und Hotel eingesammelt haben, gelten als faul, wenn nicht gar unfähig, mit ganz normalen Leuten ins Gespräch zu kommen.

Al-Chamissi stellt diese Art des beiläufigen Recherchierens auf den Kopf. Seine teils fiktionalen, teils authentischen Gespräche geben genau das wieder, was der Autor seine Leser hören lassen will: den Stolz, die Wut, die Entlarvung, den Witz, die Hoffnung. Seine Taxifahrer sind keine Recherchequellen, sondern Gestalten wie die kleinen Leute bei Hans Fallada – Identifikationsfiguren, die sagen, dass niemand mit seinen Erfahrungen in diesem Staat allein ist. Das Volk sind wir. Der Rest ist bekannt und heißt hoffentlich Demokratie.

So funktioniert engagierte Literatur, wenn sie funktioniert: als Botschaft, die gehört und verstanden werden soll. Al-Chamissis Taxifahrergespräche wurden zum Bestseller, nicht nur in Ägypten.

Hierzulande hätte wohl kaum jemand al-Chamissis Buch gelesen, hätte es den Aufstand in Kairo nicht gegeben. Bücher aus der arabischen Welt tun sich schwer mit der öffentlichen Aufmerksamkeit. Das wird sich jetzt ändern.