Mit das Wichtigste bei internationalen Gipfeltreffen sind die Bilder für die Wähler in der Heimat. Es gibt eindrucksvolle Aufnahmen vom Krisengipfel der Europäischen Union am vergangenen Freitag in Brüssel. Angela Merkel im Zwiegespräch mit Nicolas Sarkozy, Enda Kenny, der neue irische Regierungschef mit tiefen Augenringen beim Verlassen des Ratsgebäudes gegen halb zwei Uhr morgens, Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, in Gedanken vertieft.

Es sind Bilder, die Tatendrang und Souveränität ausstrahlen sollen. Bilder von Machern. Wollte man allerdings den wahren Charakter des Brüsseler Treffens darstellen, müsste man die Regierenden in Fesseln zeigen.

Mari Kiviniemi aus Finnland zum Beispiel, wo die europaskeptische Partei "Wahre Finnen" in Umfragen kräftig zugelegt hat und bei den Parlamentswahlen am 17. April einen Sieg erringen könnte.

Oder Mark Rutte aus den Niederlanden , der das Hilfspaket für Irland beinahe nicht durch sein Parlament bekam, weil er auf die Stimmen des Rechtspopulisten Geert Wilders angewiesen ist.

Oder Giorgos Papandreou aus Griechenland , der die Finanzen seines Landes sanieren will, aber nicht vorankommt, weil Streiks die Wirtschaft lahmlegen und kaum jemand Steuern bezahlt.

Oder eben Angela Merkel, die bei Zugeständnissen an die klammen Partner in Europa um ihre Mehrheit im Bundestag fürchten muss, weil die Abgeordneten der FDP die Hilfszahlungen lieber heute als morgen beenden wollen.

So ist aus der angekündigten "umfassenden Reform" der Europäischen Währungsunion , die am Wochenende auf den Weg gebracht werden sollte, ein Reförmchen geworden. Das dürfte die Traditionalisten besänftigen, die im Vorfeld des Gipfels einen Verrat deutscher Interessen in Brüssel fürchteten. Eine ganz andere Frage ist, ob es auch die Finanzmärkte beruhigt – und ob der Euro damit nun endlich auf einem sicheren Fundament ruht.

Es gibt in der Debatte um den Umbau der Währungsunion zwei radikale Entwürfe. Einer davon ist im politisch linken Spektrum populär, der andere in konservativen Zirkeln. Gemäß der linken Variante tritt an die Stelle des Zusammenschlusses eigenverantwortlicher Nationen in Europa eine Haftungsgemeinschaft mit maximaler Solidarität – etwa durch die Ausgabe gemeinsamer europäischer Staatsanleihen oder durch Transferzahlungen der starken an die schwachen Staaten. So ähnlich wie beim deutschen Länderfinanzausgleich. Eine solche Transferunion wäre ein Schritt in Richtung eines europäischen Superstaats.

Der Bankrott eines Euro-Staates wäre vor allem für die Deutschen teuer

Das konservative Modell dagegen sieht die Einstellung jeglicher Hilfe vor. Wer sich übernommen hat, muss Bankrott anmelden und umschulden . Oder die Euro-Zone gleich ganz verlassen. Aus der Vision einer immer engeren Union würde eine lose verbundene Freihandelszone mit gemeinsamer Währung, aus Schicksalsgenossen würden Lebensabschnittsgefährten.

Aus Sicht der Kanzlerin haben beide Vorschläge einen gravierenden Nachteil: Sie kosten Geld. In einem Fall das Geld des Steuerzahlers, der für die Transfers in die wirtschaftlich schwachen Staaten aufkommen muss. Und im anderen Fall das Geld der Sparer, weil die Banken bei einer Pleite ihre Forderungen abschreiben müssten. Mit insgesamt 569 Milliarden Dollar waren deutsche Banken – Stand Herbst 2010 – in Griechenland, Irland, Portugal und Spanien engagiert.

Wie es aussieht wird es jetzt vorerst weder das eine noch das andere geben.

Zwar wurde beschlossen, den bisherigen Krisentopf zu vergrößern und von 2013 an einen dauerhaften Rettungsfonds für Not leidende Staaten einzurichten. Er vergibt gegen strenge Auflagen Kredite und hat dafür 500 Milliarden Euro zur Verfügung. Ein Kredit aber ist kein Transfer, wie jeder weiß, der sich schon einmal bei einer Bank Geld geliehen hat. Ein Kredit muss zurückbezahlt werden, mit Zinsen. Am Ende gewinnt dabei zumeist die Bank, nicht der Kunde. Und die Kreditbedingungen wurden sogar noch einmal verschärft: Zwar hat man die Zinsen für die Griechen gesenkt, doch alle von 2013 an neu vergebenen staatlichen Hilfsgelder müssen bei Zahlungsproblemen vorrangig bedient werden – erst danach sind die Privatgläubiger an der Reihe.