Freunde des Stummfilms erinnern sich an die Keystone Kops, die auch bei Charlie Chaplin auftraten: eine clowneske Polizeitruppe, die mit Getöse losprescht, aber nie die Schurken erwischt, weil sie weder Plan noch Führung hat und schon an der ersten Kreuzung eine Massenkarambolage auslöst.

Hoffen wir, dass die Interventionsmächte in Libyen geschickter agieren. Technisch sind sie aufs Beste gerüstet – genauer: die USA mit Tarnkappenbombern, Präzisionsmunition, Störelektronik und hochsensiblem Überwachungsgerät. Die Taktik ist eingespielt seit dem ersten Irakkrieg (1991). Gadhafis Luftabwehr und die Kommandozentralen werden dezimiert; ein elektronischer Sturm schlägt die Piloten "blind" und "taub". Eigentlich hat "Bruder Führer" den Luftkrieg schon verloren.

Auf dem Papier sah seine Luftwaffe mit 400 Kampfflugzeugen wie Goliath aus. Freilich waren nur an die 40 einsatzbereit – ältliche russische MiGs und Suchois. Selbst die französische Mirage F-1 ging schon 1973 an den Start. Gadhafis Luftwaffe zu neutralisieren ist aber der leichteste Teil der Aktion. Denn dies ist ein politischer Krieg, und der erinnert schon heute an die braven, aber unglückseligen Keystone Kops.

Berlin verlässt die Nato-Operationen – Affront als Außenpolitik

Krieg ohne Führung: Wer ihn wollte – vorneweg der alte Gadhafi-Freund Sarkozy –, kann nicht führen; wer kann, will nicht. US-Streitkräfte-Chef Mike Mullen artikuliert die Unlust: Amerika werde sein "einzigartiges Potenzial zu Beginn beitragen", ansonsten stünden "unsere internationalen Partner" in der Pflicht. Qatar mit 4, die Franzosen mit 15 Jets? Die haben als Erste geschossen und so England und Amerika brüskiert. Denn die Nato, die solchen Einsatz seit Jahren probt, bleibt das Instrument der Wahl. Nur haben hier die USA (welche die Hälfte der Einsätze fliegen) das Sagen – quelle horreur! Folglich hat Sarkozy erst einmal alle Nato-Pläne konterkariert. Am Bündnis kommt er aber nicht vorbei. Denn es droht das taktische Fiasko, bei dem der eine nicht weiß, was der andere tut.

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Krieg ohne Konsens: Die Türken – stets gern beleidigt – haben den Nato-Oberbefehl ebenfalls blockiert, weil Sarkozy sie nicht zum Krisengipfel eingeladen hatte. Die Deutschen haben sich sozusagen selber ausgeladen, indem sie sich bei der Sicherheitsrats-Abstimmung enthielten – zusammen mit den klassischen Neinsagern China und Russland. Eine pikante Volte, hatte doch keiner lauter den Tyrannensturz gefordert als Guido Westerwelle. Am Dienstag setzte Berlin auf einen Schelm anderthalbe: Alle deutschen Kräfte raus aus den Mittelmeer-Operationen der Nato, auch die 70 Soldaten in den Awacs-Flugzeugen. Affront als Außenpolitik.

Wladimir Putin wettert gegen den "Kreuzzug" , der Chef der Arabischen Liga geißelt die Ausweitung des Flugverbots: "Zivilisten schützen, nicht andere Zivilisten bombardieren". Überhaupt die arabischen Freunde: Sie halten sich bis auf Qatar und die Emirate raus. Algier will den sofortigen Gewaltstopp.

Krieg ohne Ziel: Krieg, dozierte Clausewitz, sei die Fortführung der Politik unter Beimischung von Blei. Welche Politik? "Gadhafi weg!", schallte es von Washington bis Berlin. Aber die UN-Resolution gibt den Diktatorensturz nicht her. Sie autorisiert nur das Flugverbot sowie "alle notwendigen Maßnahmen", um "Zivilisten zu schützen". Traurig, aber wahr ist die Einlassung des Admirals Mullen: "Ich weiß nicht genau, wie das enden wird." Wenn der’s nicht weiß?