Wenn die Deutsche Bank einen Rechtsstreit führt, darf es ihren Anwälten an nichts fehlen. In den Prozessen mit Leo Kirch lässt die Bank seit Jahren einen Stenografen alles mitschreiben. Die Wortprotokolle sollen der Bank helfen, ihre Verteidigung gegen die Milliardenklage des Münchner Medienunternehmers dem jeweiligen Verfahrensverlauf anpassen zu können.

Dass diese Mitschrift einmal zu einem wichtigen Beweisstück für eine Anklage gegen ihren früheren Chef werden könnte, das hatten sich die Banker wohl nicht vorgestellt.

Dank des Stenogramms weiß die Staatsanwaltschaft München I heute ganz genau, was Rolf-Ernst Breuer am 5. November 2003 vor dem Oberlandesgericht München gesagt hat. Wortreich hatte er dem Richter damals erklärt, wie wenig er über die finanzielle Lage von Leo Kirch gewusst habe, als er diesem in einem Interview mit Bloomberg TV die Kreditwürdigkeit absprach. Er habe keine internen Kenntnisse über Kirch und den Kredit der Deutschen Bank an ihn gehabt.

Dass sich ein Topbanker selbst der Ahnungslosigkeit bezichtigt, kommt äußerst selten vor. Aber ihm und den Anwälten der Bank war damals sehr daran gelegen, die Richter davon zu überzeugen, dass Breuer das Interview nicht in seiner Rolle als Deutsche-Bank-Chef oder als Präsident des Bankenverbandes gegeben hatte. Seine abträglichen Sätze über Kirch seien vielmehr die (vom Grundgesetz geschützte) Meinungsäußerung eines Privatmannes gewesen.

Leo Kirch sieht das anders. Der Unternehmer glaubt, dass der Banker ihm damals einen gezielten Schlag versetzen wollte. Er betrachtet Breuers Äußerung als Hauptgrund für den Zusammenbruch seines Medienimperiums , der acht Wochen nach dem Interview begann. Kirch hat die Bank und Breuer persönlich auf Schadensersatz verklagt. Es geht in den Verfahren um etliche Milliarden.

Um Kirchs Klage abzuweisen, verfolgte die Bank von Anfang an die Verteidigungsstrategie, dass Breuer in dem Fernsehinterview nur wiedergegeben habe, was ohnehin jedermann in den Zeitungen habe lesen können: dass Kirch kein Geld mehr bekomme. Damit kam die Bank aber nicht durch. Der Bundesgerichtshof entschied 2006, dass Breuer sich über einen Kunden der Bank nicht in dieser Weise hätte äußern dürfen. Immerhin hatte eine von Kirchs zahlreichen Firmen damals einen Kredit bei der Deutschen Bank. Derzeit prüfen die Gerichte der unteren Instanzen im Detail, ob Breuer mit seinem Interview tatsächlich einen Schaden angerichtet hat und wie hoch dieser ist. Die Verfahren werden sich wohl noch Jahre hinziehen.

Der Strafprozess gegen den einstmals mächtigsten deutschen Banker wird dagegen schon bald beginnen, das Landgericht hat die Anklage vergangene Woche zugelassen.

Die Staatsanwälte haben gründlich gearbeitet. In ihrer Anklageschrift haben sie eine Vielzahl von Beweisen dafür zusammengetragen, dass Breuer vor Gericht gelogen und sich des versuchten Betrugs schuldig gemacht haben könnte.