In den beiden großen Bundesländern Bayern und Niedersachsen machen in diesen Wochen die ersten Schüler nach acht statt wie früher nach neun Jahren Gymnasium Abitur – G8 heißt das neue Modell. Das Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Hamburg haben die Umstellung schon hinter sich. Dort wurden seit 2007 Doppeljahrgänge entlassen, weil Schüler der 12. und der 13. Klasse parallel fertig wurden.

Die Diskussion um die Dauer der Gymnasialzeit wird in Deutschland nicht zum ersten Mal geführt: Ende des 19. Jahrhunderts gingen Schüler neun Jahre lang aufs Gymnasium, zusammen mit der dreijährigen Vorbereitungszeit dauerte die Schulzeit also zwölf Jahre. Das 13. Schuljahr wurde zur Zeit der Weimarer Republik eingeführt; damit sollte eine bessere Bildung für die einfache Landbevölkerung gewährleistet werden. Weil die Gymnasiallehrer nicht von ihren neun Jahren abrücken wollten, wurde die Grundschulzeit auf vier Jahre verlängert. Die Nationalsozialisten verkürzten die Schulzeit dann wieder auf zwölf Jahre, unter anderem weil sie mehr Offiziere brauchten. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben die ostdeutschen Länder bei zwölf Jahren, die westdeutschen Länder stellten auf 13 Jahre um.

Auch im Westen ging die Debatte weiter: Deutsche Schüler seien im internationalen Vergleich zu alt und würden zu spät ins Berufsleben entlassen, hieß es aus der Wirtschaft. Man dürfe die Lebenszeit der Kinder nicht durch eine überlange Schulzeit vergeuden, hieß es von namhaften Pädagogen. Prominente Unterstützer der Schulzeitverkürzung waren Willy Brandt (SPD) und Helmut Kohl (CDU). 2001 führte dann das Saarland als erstes westdeutsches Bundesland 2001 das G8-Modell ein. Bis 2008 stellten alle Länder ganz oder teilweise (Rheinland-Pfalz) auf zwölf Jahre um. Bis 2016 wird es deshalb fast jedes Jahr doppelte Abiturjahrgänge geben.

An vielen Schulen hat die Umstellung auf G8 für großen Unmut gesorgt: Die Schüler müssten unter zu großem Druck lernen, das Bildungsniveau der Abiturienten sinke, lauten die Argumente der G8-Gegner. In Niedersachsen etwa hat sich das "Volksbegehren für gute Schulen" gegründet, das die Rückkehr zu 13 Schuljahren fordert. In Schleswig-Holstein hatte der Protest Erfolg: Dort können Schulen in Absprache mit den Kommunen nun selbst entscheiden, ob sie vom kommenden Schuljahr an ein Abitur nach acht oder neun Jahren oder beides anbieten. In Nordrhein-Westfalen dürfen ebenfalls Gymnasien in einem "Schulversuch" zu G9 zurückkehren; ganze 13 Schulen haben sich für die Teilnahme beworben. Gabriele Meister