DIE ZEIT: Was lernen angehende Kulturvermittler?

Birgit Mandel : Es gibt in Deutschland zwar ein breites kulturelles Angebot, für das mehr Geld ausgegeben wird als irgendwo sonst. Es wird aber nur von acht Prozent der Bevölkerung regelmäßig wahrgenommen. Deswegen müssen wir das große Potenzial, das in Kunst und Kultur steckt, stärker zugänglich machen. Dazu braucht es Kulturvermittler. Sie lernen, wie man Menschen für Theater oder Konzerte interessiert, die von selbst nie auf die Idee gekommen wären, ein Ticket zu kaufen, und wie man Brücken zwischen verschiedenen Lebenswelten bauen kann. Dafür beschäftigen sie sich zum Beispiel mit Strategien des Marketings: Wie kann ich das Internet nutzen, um Kultur besser zu vermitteln? Wie kann ich Formen des Guerilla-Marketings für Kunst und Kultur einsetzen?

DIE ZEIT: Ein recht überschaubarer Arbeitsmarkt.

Mandel: Keineswegs! Der Bachelor bereitet unsere Studenten durch mehrere Praktika und ein Projektsemester gut auf die Aufgaben in verschiedensten Einrichtungen vor, Dramaturgie am Theater etwa oder Kulturmanagement für Festivals. Ich bekomme jede Woche Anfragen von Kulturinstitutionen, die sich dank ihrer Praxiserfahrung explizit für unsere Absolventen interessieren. Die Angebote liegen meist in Kulturmarketing und Kultur-PR, neuerdings auch in kultureller Bildung, da ist der Nachholbedarf wohl am größten.

DIE ZEIT: Jetzt kommt bei Ihnen auch noch ein Master dazu . In Bremen und Dortmund gibt es den bereits. Schaffen Sie ein Überangebot?

Mandel : Nein, denn jedes Programm hat sein eigenes Profil. Wir zum Beispiel haben den einzigen Studiengang, der alle Kunstformen einbezieht und künstlerisch-praktische Arbeit mit Reflexion verknüpft. Grundsätzlich würde ich nur denen zum Master raten, die Freude an Forschung haben. Kulturvermittlung ist eine neue wissenschaftliche Disziplin, in der noch Grundlagenerkenntnisse gewonnen werden müssen. Interessenten müssen sich deshalb mit einer Forschungsfrage bewerben und sie über zwei Jahre bearbeiten. Haben sie das getan, sind sie auch für Führungspositionen geeignet, die Leitung eines Kulturamtes etwa oder die Intendanz eines Kunstvereins.

Interview: Sabrina Ebitsch