Der aktuelle Stand der Geschichte des amerikanischen Schauspielers Charlie Sheen lässt sich am besten mit der Tragödientheorie des griechischen Philosophen Aristoteles erfassen. Von ihm stammt die Idee der Peripetie, des plötzlichen Umschlags der Bühnenhandlung in ihr Gegenteil.

Idealerweise vollzieht sich die Peripetie im dritten von fünf Akten. Und genau hier befindet sich momentan Charlie Sheen. Durchgeknallt war er immer. Ohne Randale und Exzesse, ohne Damen aus der Pornobranche, illegale Substanzen und periodische Klinikaufenthalte ging es bei ihm nie ab.

Zu Beginn des Jahres kam Sheens lange währendes Absturzdrama auf der nach unten offenen Skandalskala noch mal richtig in Fahrt. Details kann man sich sparen. Die ganze Welt erlebte mit, wie der Mann sich zügig auf die Anstalt zubewegte. Kein Tag ohne haarsträubende News aus dem Hause Sheen.

Vor drei Wochen – nach der aristotelischen Theorie also zu Beginn des dritten Aktes – wurde Charlie Sheen schließlich aus der Sitcom-Fernsehserie Two and a Half Men geworfen, deren Star er lange war.

Kein Produzent aus Film und Fernsehen will mit dem Wüstling noch irgendetwas zu tun haben. Es sah so aus, als hätte Charlie Sheen seine Karriere endgültig hinter sich. Er war am Tiefpunkt.

Genau hier aber setzte der peripetische Umschlag der Geschichte ein.

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Denn Charlie Sheen kam auf die geniale Idee, aus seiner Durchgeknalltheit eine Liveshow auf eigene Rechnung zu machen und mit dieser auf Tournee zu gehen .

Die Show heißt My Violent Torpedo of Truth . Sheen wird in der Show machen, was er sonst auch macht, paranoide Tiraden und obszöne Sprüche ablassen, Leute beleidigen, verrückte Grimassen schneiden, mit Macheten herumfuchteln.

Aber eben als kommerzielle Performance. Die Karten für die ersten beiden Shows, im Fox Theatre in Detroit am 2. April und im Chicago Theatre am 3. April, waren im Internet innerhalb von achtzehn Minuten ausverkauft. Weitere Termine werden folgen.

Außerdem verkauft Charlie Sheen auf seiner Website T-Shirts, auf die seine jeweils neuesten Verrücktheiten gedruckt sind. Die T-Shirts kosten 19,95 Dollar und gehen weg wie warme Semmeln.

Kurzum: Charlie Sheen hat seine Karriere nicht hinter, sondern erst noch vor sich. Sein Aufstieg zum konsequentesten Selbstdarsteller der Gegenwart, zum avanciertesten Star, den Amerika momentan zu bieten hat, ist absehbar. Lady Gaga wirkt daneben jetzt schon irgendwie brav und überholt.