Bloß nicht triumphieren. Eine Woche vor der wichtigsten Landtagswahl dieses Jahres laden die Grünen zu einem kleinen Parteitag nach Mainz, dessen Hauptziel die Entkräftung des Vorwurfs zu sein scheint, man sonne sich angesichts der Atomkatastrophe in Fukushima im Gefühl des Rechthabens. In auffällig vielen Reden fallen Formulierungen wie "Wir können nur beten". Wo man früher gegen Atommafia, Konzerne und Atomstaat wetterte, warnt man heute leiser vor "menschlicher Hybris". Gleich am Eingang steht ein Altar aus weißen Rosen und Kerzen. Die Versammlung erhebt sich zur Gedenkminute mit japanischen Lautenklängen. Eine Delegierte fühlt sich an den Roman Der Herr der Ringe erinnert, in dem ein einzelner Mensch unter der Last keucht, die Welt ändern zu sollen – bis eine Stimme ertönt: "Wer, wenn nicht du?" Die Grünen befänden sich genau in dieser Lage.