Das Schlaraffenland befindet sich derzeit in den Niederlanden. Genauer gesagt in Maastricht, wo noch bis zum 27. März die Kunstmesse Tefaf stattfindet: ein Schlaraffenland mit dickem Teppich, ein mit Tausenden von Blumen geschmückter Basar, in dem der Champagner nicht versiegt und – zumindest am Eröffnungstag – kostenlos fließt, die Steinpilzterrinen und die Fischfilets auf getrüffelten Kartoffeln auch kein Ende zu nehmen scheinen und die Händler an ihren Ständen die schönsten Kostbarkeiten der Welt anbieten, von Marmorstatuen aus dem alten Rom über silbernes Zaumzeug aus Argentinien bis zur Zero-Kunst. Anders als für Champagner und Häppchen muss man für die Kostbarkeiten allerdings zahlen, und zwar meist sehr viel Geld.

Ein von Pieter Brueghel dem Jüngeren, dem Sohn des großen Schlaraffenlandmalers, gemaltes Wimmelbild der Niederländischen Sprichwörter etwa kostet bei dem Händler Johnny van Haeften aus London gut vier Millionen Euro.

Es ist eine von vermutlich zehn Kopien, die der jüngere Brueghel nach dem gleichnamigen Ölgemälde seines Vaters anfertigte. Brueghel-Fans können sich dieses Jahr nicht nur bei van Haeften, sondern auch bei De Jonckheere und anderen eindecken, man könnte sich also bei einem einzigen Messebesuch eine kleine, feine Brueghelsammlung zusammenstellen.

Siebzig Prozent aller weltweit im Handel verfügbaren Altmeistergemälde – so heißt es – hängen für die zehn Messetage in der nur von außen abgrundtief hässlichen Messehalle im niederländischen Maastricht. Und so sieht man hier viel Museales: Am Stand von Johnny van Haeften tauchte etwa auch das Gemälde Der Mensch zwischen Tugend und Laster von Frans Francken dem Jüngeren (1581 bis 1642) wieder auf, das im vergangenen Jahr für den Rekordpreis von sieben Millionen Euro im Wiener Auktionshaus Dorotheum ersteigert worden war. Jetzt, ein knappes Jahr später, soll es rund drei Millionen Euro mehr kosten – schließlich hat der Händler es aufwendig restaurieren lassen.

Das Bild, so die Galerie, sei zuvor noch nie geputzt worden, und wirklich wahr, jetzt glänzt und strahlt es so sehr, als sei es erst kürzlich gemalt worden. Jegliche Patina auf der Leinwand ist verflogen, so wie auch bei dem Rembrandt, der am Stand der New Yorker Galerie Otto Naumann hängt und vor dem sich stets eine kleine Gruppe von Betrachtern bildet: Es ist das teuerste Kunstwerk auf der diesjährigen Tefaf, stellt einen unbekannten Mann dar und soll 47 Millionen Dollar kosten.

Die Stimmung an den ersten Messetagen war gut, die Händler zeigten sich mit den Tausenden von angereisten Besuchern zufrieden, sie meldeten erste Verkäufe und zahlreiche Reservierungen. Doch von den Wänden schienen die Bilder nicht gerade zu fliegen, ein Kaufrausch blieb aus. Dabei gab es durchaus auch erschwingliche Meisterwerke, eine kleine Wolkenstudie im Stil der Dresdner Schule aus dem 19. Jahrhundert bei der Münchner Galerie Daxer und Marschall etwa, die nur 12.000 Euro kostet.