Die Frage: Claudia steht bei ihren Freundinnen in dem Ruf, ein Irrlicht zu sein. Ständig hat sie neue Männer. Nun sind zwei Freundinnen in festen Händen, eine andere ist schwanger. Eines Abends sind die vier unter sich. "Ich hätte gern auch mal was Festes, das länger hält", sagt Claudia, "aber ich weiß nicht, wie ihr das anstellt. Erst bin ich verliebt, aber nach einiger Zeit gefallen mir andere Männer.

Spätestens wenn ich anfange, beim Sex plötzlich an einen anderen zu denken, muss ich Schluss machen. Das wäre doch verlogen, mit einem Mann zu schlafen und dabei an einen anderen zu denken!" – "Mit diesem Perfektionismus wirst du nie ein Nest bauen", sagt die Schwangere. "Es ist doch mein Privatkopfkino, an wen ich denke, wenn ich mit meinem Mann Sex habe!"

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Alltagstaugliche Beziehungen sollten sich nicht ausschließlich am Grundsatz des größten Gutes orientieren, sondern auch an dem des kleineren Übels. Im Leben geht es auf und ab. Wer sofort abspringt, sobald sich ein Abstieg ankündigt, kann auch kein Vertrauen entwickeln, dass die Liebe den einen oder anderen Tiefpunkt vertragen kann.

Verglichen mit Lustlosigkeit oder Trennung bei der ersten unpassenden Träumerei, scheint mir das Kopfkino der Freundin das kleinere Übel. Wenn sie beim Sex an andere Männer denkt, tut das keinem weh und kann sogar zu beider Vergnügen beitragen. Gefährlich wird es erst, wenn sie den Ton zu ihrem Kopfkino nicht abschalten kann und einen falschen Namen flüstert.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE . Die Fragen seiner Kolumne werden in seinem Buch "Paartherapie: Konflikte verstehen, Lösungen finden" vertieft, das beim Gütersloher Verlagshaus erschienen ist.

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