Am 26. März 1525 geht das erste Schloss in Flammen auf. Geplündert und dann angezündet hat es der Baltringer Haufen, in dem Rebellen aus ganz Oberschwaben zusammengefunden haben. Von Schloss Schemmerberg bei Biberach, bis dahin stolzer Besitz des mächtigen Klosters Salem, bleibt nur eine Ruine. Sie markiert den Beginn des deutschen Bauernkriegs.

Zunächst hatte man es auf friedlichem Weg versucht. In die Freie Reichsstadt Memmingen waren Bauerndelegierte aus allen Teilen Süddeutschlands geströmt, um ihre Beschwerden gegen Adel und Klerus zu Papier zu bringen. Heraus kamen die Zwölf Artikel, durch Bibelzitate untermauert und an die beiden höheren Stände adressiert: Die Leibeigenschaft sollte aufgehoben und gerichtlicher Willkür durch eine feste Buß- und Gebührenordnung ein Riegel vorgeschoben werden. Die Pfarrer sollten von der Dorfgemeinschaft gewählt und Frondienste und Abgaben reduziert werden, auch freies Jagen und Fischen erlaubt sowie Wald und Weide für alle zugänglich sein.

Zwar hatten die Bauern in ihrer Schrift auf eine Gewaltandrohung ausdrücklich verzichtet. Dennoch stellten ihre Forderungen eine Kampfansage dar. Wären sie erfüllt worden, hätten sich Klerus und Adel von der Macht verabschieden müssen. Das sah auch Martin Luther so. Der Wittenberger wollte seine reformatio, seine Erneuerung, auf das Religiöse beschränkt wissen. Das biblische Gewand, in dem die Zwölf Artikel steckten, wurde ihm zum roten Tuch – auch wenn er manche Forderung gerecht fand. "Aber den christlichen Namen", wandte er sich an die Bauern, "den lasst stehen und macht ihn nicht zum Deckmantel eures ungeduldigen, unfriedlichen, unchristlichen Unternehmens."

Bald brennen nicht nur Burgen, Schlösser und Klöster. Städte werden eingenommen, Adlige und hohe Geistliche zum Teufel gejagt. Und nicht nur in Süd- und Mitteldeutschland – auch in der fürstlichen Grafschaft Tirol beginnt der Kampf.

Das Alpenland war ein fortschrittlicher Staat innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, mit früh entwickelter Industrie, aufstrebenden Städten, einem beachtlichen Bürgertum und mehrheitlich freien Bauern. Im 15. Jahrhundert hatte sich die Region zum weltgrößten Silber- und Kupferproduzenten entwickelt, und aus dem kleinen Innsbruck war eine respektable Hauptstadt geworden.

Tiroler Arbeiter verdienten gut, Tiroler Bürger und Bauern fühlten sich beschützt: Sie beriefen sich auf eine Landesordnung, die es den höheren Ständen sehr schwer machte, ihre Freiheit und ihren Besitz anzutasten. Solche Rechte garantierte ein Souverän, der großes Interesse an einem Gleichgewicht der Kräfte zwischen Klerus, Adel, Stadt- und Ackerbürgern besaß.

Reisenden in Tirol fielen die saftigen Weiden und fruchtbaren Äcker auf. Auch die Ausstattung der bäuerlichen Wohnhäuser ließ auf Wohlstand schließen. Aus diesem Milieu, aus einer gut situierten Familie im Bergdorf Tschöfs bei Sterzing, stammte Michael Gaismair. Geboren um 1490 als zweiter Sohn, durfte er zwar nicht den Hof übernehmen. Dafür stand ihm die Lateinschule und später die Akademie offen. An der berühmten Universität in Padua studierte er die Rechte.

Erstmals öffentlich in Erscheinung tritt Gaismair 1512. Er ist nun wahrlich kein Bauer mehr, sondern ein studierter Herr. Im Nordtiroler Bergbauzentrum Schwaz stellen ihn die Fugger, denen der hoch verschuldete österreichische Erzherzog Sigismund bereits 1488 seine Gruben überschrieben hat, als Sekretär ein. An seinem neuen Arbeitsplatz erlebt Gaismair einen Streit zwischen Bergwerksleitung und Grubenarbeitern. Den Bergmännern wird das Durchkämmen von Abraum und stillgelegten Minen, ein willkommenes Zubrot, verboten. Als sie auch noch die vereinbarten Löhne nur mit Verzögerung erhalten, ist das Maß für die Knappen voll. Sie bitten Gaismair, einen Beschwerdebrief an den Innsbrucker Hof aufzusetzen. Das Schreiben nutzt nicht viel, doch bleibt Schwaz ein Unruheherd, ebenso wie das Südtiroler Bergbauzentrum um Sterzing.

Danach hören wir längere Zeit nichts mehr von Gaismair. Erst im Jahr 1518 findet sich seine Spur wieder, diesmal südlich des Alpenkamms, in der Burg Prösels im Grödnertal, die einstmals dem Dichter Oswald von Wolkenstein gehört hat. Dort sitzt der Landeshauptmann an der Etsch, Südtirols höchster Beamter, Leonhard von Völs. Er hat offensichtlich Gefallen am neuen Schreiber gefunden und nimmt ihn auch auf seinen Reisen mit.

Gaismair erlebt ein Land im Niedergang. Schuld ist die Misswirtschaft des Herrschers. Maximilian, Nachfolger Sigismunds in Tirol und später als Maximilian I. ("der letzte Ritter") deutscher Kaiser, fehlt das Geld. Der Ausbau Innsbrucks und eine aufwendige Hofhaltung verschlingen Unsummen. Als er 1519 stirbt, hinterlässt er einen riesigen Schuldenberg. Den erbt Enkel Ferdinand, als österreichischer Erzherzog offiziell nur Statthalter des älteren Bruders Karl. Dieser folgt als Karl V. Großvater Maximilian auf den Kaiserthron.