"Ach, was für eine Tragödie das war", seufzen Linda und Mary. Wenn die beiden Kusinen aus Chicago von Prinzessin Diana reden, sind sie sichtlich ergriffen. Linda denkt "fast jeden Tag" an sie, die schöne, tragische Prinzessin, die längst zur Herzkönigin der Weltöffentlichkeit geworden war, als sie 1997 in einem Pariser Tunnel brutal zu Tode kam. Linda und Mary erzählen von ihrer "ganz persönlichen Beziehung" zu Diana. "Damals, 1981, bei ihrer Hochzeit mit Prinz Charles, standen wir in der Menge vor der St.-Pauls-Kathedrale, als diese schüchterne junge Frau in einem märchenhaften Hochzeitskleid aus der Kutsche stieg. Ihr Europäer könnt das viel besser. Wir brauchen Walt Disney für so was", sagt Mary. Auch zur Beerdigung von Diana waren die beiden Rentnerinnen aus Illinois später nach London gekommen, und wenn Prinz William am 29. April mit Kate Middleton vor den Altar der Westminster Abbey tritt , werden sie abermals in der Menge stehen, "im Andenken an Diana".

Viel wissen sie allerdings noch nicht über Will und Kate. Deswegen sind sie mit vier Freundinnen schon im März für eine Woche nach London geflogen, "um das junge Paar kennenzulernen". Gelegenheit dazu stellt allwochenendlich ein gut organisierter Spaziergang durch die Londoner Innenstadt in Aussicht. Von Mayfair bis zur Westminster Abbey kann man einige Orte besuchen, die das Leben des Thronfolgerpaares geprägt haben. "Geschichte zum Anfassen", sagt Miranda aus Florida ernsthaft.

Geschichte oder gossip? Auf dem "königlichen Spaziergang" durch London sind die Grenzen zwischen Promi-Gerüchten und Bildungsinformationen fließend. Hannah, die junge Führerin mit dem Piercing unter der Lippe und den ausgewaschenen Jeans, ist so cool, dass man sie auf Anhieb weder für eine Akademikerin noch für eine Klatschbase halten würde. Aber schon beim ersten Stopp beweist sie, dass sie sogar beides sein kann: Garrard an der Albemarle Street – der älteste Juwelier der Stadt und Hoflieferant von königlichem Klunker und Hochzeitsdiademen seit Queen Victorias Zeiten. Dem gemeinen Spaziergänger bleibt der Eintritt freilich verwehrt. Linda, Mary, Miranda und ihre Freundinnen drücken sich behelfsweise die Nasen an den Panzerglasscheiben platt und bestaunen die funkelnde Auslage.

Auch Kates Verlobungsring stammt von Garrard. Es ist der Ring mit dem blauen Saphir, den Diana zu ihrer eigenen Verlobung von Charles geschenkt bekam. Aber dazu gibt es noch eine Geschichte, die keiner kennt – bis auf Hannah. Diana, erzählt sie, habe den Ring getragen, als ihr Leichnam von Paris nach London geflogen wurde. An Bord der Maschine suchten sich ihre beiden Söhne ein persönliches Erinnerungsstück aus: Prinz Harry wählte den Ring, Prinz William die Cartier-Uhr. Als die öffentliche Verlobung anstand, habe Harry den Ring jedoch seinem Bruder überlassen, "weil ihre Mutter an diesem großen Tag wenigstens durch den leuchtenden Saphir anwesend sein soll", erklärt Hannah. So lernen wir von rührenden Gesten brüderlicher Liebe, die Linda und Mary gleich nach dem Taschentuch greifen lassen.

In der Stephen Friedman Gallery in der Old Burlington Street kann man den Bräutigam sogar anfassen. Die amerikanische Künstlerin Jennifer Rubell hat eine stattliche Wachsfigur von Prinz William im blauen Anzug auf ein Podest gestellt und der Puppe ein Imitat des berühmten Saphir-Rings auf den rechten Ärmel genäht. Besucherinnen sollen sich bei ihm einhaken, den Ring auf ihren Finger ziehen und so das offizielle Verlobungsfoto nachstellen. Die Künstlerin spricht von "der Erreichbarkeit von Träumen".