Die Deutsche Bank hat komplizierte Zinswetten an Unternehmen und Kommunen verkauft . Diese Wetten sind nicht aufgegangen, und die Kunden aus Wirtschaft und Staat haben Millionen verloren. Ein Skandal? Ja, möchte man ausrufen, die Banker machen Gewinn, die Städte müssen Schwimmbäder schließen, die Unternehmen Mitarbeiter entlassen .

Ein Autohändler verkauft einem Kunden einen günstigen Gebrauchtwagen, nach einiger Zeit streikt der Motor. Ein Skandal? Das kommt darauf an, wird man sagen. Vielleicht war der Verkäufer ein Betrüger. Vielleicht aber war der Kunde leichtgläubig. Oder gierig. Oder beides.

Am Dienstag dieser Woche hat der Bundesgerichtshof entschieden: Die Deutsche Bank muss einem der Mittelständler Schadensersatz bezahlen , weil die Bank ihre Beratungspflicht verletzt habe. Auf die Deutsche Bank und andere Institute dürfte jetzt eine Welle von Schadensersatzforderungen zukommen.

Keine Frage, es gibt Finanzprodukte, die es besser nicht geben sollte. Sie nützen wenigen – meistens den Banken – und schaden vielen. Vielleicht gehören die umstrittenen Spread Ladder Swaps dazu, die die Bundesrichter jetzt verurteilten. Und vielleicht sollte der Gesetzgeber solche Produkte ganz einfach verbieten. So wie er unnütze Arzneimittel verbietet. Ganz sicher sollte er festlegen, dass die Banken alle Risiken und Nebenwirkungen ihrer Produkte auflisten müssen, und womöglich ist das im konkreten Fall nicht geschehen.

Es wird aber, so viel ist gewiss, auch danach nicht an Möglichkeiten mangeln, sich am Finanzmarkt zu verzocken. Genau wie man sich auch mit Aspirin ins Jenseits befördern kann. Viele der Produkte, die derzeit in der Kritik stehen, sind im Grunde nicht kompliziert. Die Kunden haben sich nur nicht für die Risiken interessiert. Wollte man die Finanzmärkte idiotensicher machen, die Regulierungsbehörden hätten Tag und Nacht zu tun.

Durch Gesetze und Vorschriften allein lässt sich das Problem also nicht lösen. Es muss ein anderer, ein nüchterner Umgang mit Finanzdingen hinzukommen. Denn auch wenn wir es gerne so hätten: Unser Bankberater ist nicht unser Freund und Helfer . Er ist ein Verkäufer. Er will Geld verdienen. Das bedeutet nicht, dass er ein schlechter Mensch ist. Es bedeutet auch nicht, dass er ein schlechter Berater ist . Oder dass alle Bankprodukte grundsätzlich schlecht sind. Und doch sind Banken Unternehmen. Wenn ein Unternehmen keine Gewinne macht, geht es unter oder wird geschluckt.

Man sollte den Kreditinstituten immer mit einer Portion Misstrauen begegnen . Je flotter die Produktpräsentation und je angenehmer das Ambiente ist, je zuvorkommender die Bankberater sind, umso größer sollte das Misstrauen sein. So wie wir (hoffentlich) nicht alles glauben, was uns der Mercedes-Händler über die Vorteile des neuen Mercedes erzählt. Oder der Versicherungsvertreter über die neueste Versicherung. Verkäufer und Kunde brauchen einander – und haben doch teilweise gegensätzliche Interessen.

Niemand wird dazu gezwungen, Aktien zu kaufen. Oder Riester-Verträge. Oder Spread Ladder Swaps . Man kann sein Geld auch auf dem Sparbuch liegen lassen. Deutschlands Stadtkämmerer haben ihre Angelegenheiten jahrhundertelang ganz gut regeln können, ohne auf die Differenz zwischen langfristigen und kurzfristigen Zinsen zu wetten.

Andererseits sollte der Staat aber niemandem verbieten, auf den internationalen Kapitalmärkten zu spekulieren. Es gilt das Prinzip der Vertragsfreiheit. Für große Unternehmen mit komplizierten Finanzierungswünschen können komplizierte Bankprodukte sogar ein Segen sein.

Doch wer dabei sein will, der sollte eine Ahnung davon haben, worauf er sich einlässt. Wenn nach Bundesangestelltentarif bezahlte Kommunalpolitiker keine Chance gegen hoch bezahlte Investmentbanker haben, dann ist das nicht allein das Problem der Investmentbanker. Und wenn die Politiker mit den Bankern weniger Geschäfte gemacht hätten, dann wären diese auch nicht so hoch bezahlt.

Wer zocken will, sollte das Spiel beherrschen. Und wer es nicht beherrscht, sollte nicht zocken.