Das Schlüsselwort meines Lebens heißt "Mut". Es brauchte Mut in der Zeit der deutschen Besatzung in Frankreich, als ich während der Bombardements Verletzte aus den Trümmern barg. Es brauchte Mut, um kurz darauf als Bote für die Résistance an fremde Türen zu klopfen und Nachrichten abzuliefern. Es brauchte Mut, um mit 19 Jahren als Freiwilliger in den Krieg in Indochina zu ziehen und später nach Algerien. Ich glaube, ich wurde schon mutig geboren. Und ich hatte starke Vorbilder wie meinen Vater, der in Verdun kämpfte, der niemals ein Wort darüber verlor und dem ich als Kind schon versprach, eines Tages etwas Bedeutsames für mein Land zu tun. Während meiner sechs Jahre als Berufssoldat lernte ich viele Dinge, die mich geprägt haben. Und in meinem Inneren bin ich immer Soldat geblieben.

Als ich später Schauspieler wurde und die Rolle des Winnetou annahm, begriff ich zunächst nicht, dass sich dadurch mein Leben ändern würde. Ich hatte bis dahin Karl May noch nicht einmal gekannt. Die Bedeutung von Winnetou für die Deutschen habe ich erst später verstanden. Wenn man das Glück hat, eine solche Rolle zu spielen, wird man ein Medium. Ich war das Medium eines Traumes für mehrere Generationen. Ich unterscheide sehr wohl zwischen der fiktiven Figur Winnetou und meiner realen Person. Doch haben er und ich für die gleichen Werte gekämpft: Gerechtigkeit und Freiheit.

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Als Soldat habe ich gelernt, die Menschen zu lieben, denn ich erlebte, wie Menschen ihr Leben gaben, um das von anderen zu retten. Im vietnamesischen Dschungel starb in meinen Armen ein Oberleutnant, der meinen Platz als Kundschafter übernommen hatte – im Wissen darum, wie gefährlich unser Einsatz sein würde. Ich habe dem Tod schon mehr als einmal ins Auge gesehen. Der Tod kommt von einem Moment zum anderen. Ich war immer darauf gefasst zu sterben. Und ich fand Halt in meinem Glauben. Ich bin Christ. Ich glaube an Jesus Christus, aber nicht an Gott. Bei Jesus bin ich sicher, dass er existiert hat. Aber Gott? Wenn Gott existieren würde, wer wäre dann sein Vater? Ich glaube an einen Jesus, der ein Mensch war wie wir alle. Für mich ist er jemand, der uns den Weg zeigt. Um die Wahrheit zu sagen, bin ich immer in Verbindung mit ihm. Ich sage jeden Tag mehrmals "Danke, Jesus".

Nun beginne ich, von den Jahren zu träumen, die noch vor mir liegen. Ich wünsche mir, dass die Harmonie, die heute in meinem Leben existiert und die ich der Frau verdanke, die ich liebe und die mein Leben teilt, noch so lange wie möglich anhält. Aber ich denke auch an mein eigenes unausweichliches Ende. Und ich träume von den Menschen, die ich wiedersehen möchte: meinen Vater, meine Mutter und Irène Strozzi, die nach meiner Militärzeit einen Zivilisten aus mir machte und mir alles über das Showgeschäft beibrachte und überhaupt alles, was ich vom Leben nicht wusste. Ich freue mich darauf, sie alle wiederzusehen. Das lässt mich dem Tod mit Optimismus entgegenblicken. Glaube ich an ein Leben nach dem Tod? Ich hoffe darauf.

Aufgezeichnet von Ralph Geisenhanslüke

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