Vor 50 Jahren war Portofino in Ligurien der Ort, an dem Menschen wie Rex Harrison, Ingrid Bergman, Liza Minnelli and Alain Delon ihren Urlaub verbrachten. Später wurde er erst von britischen, dann von deutschen Touristen überrannt. Heute ist vom Charme jener Tage nicht mehr viel zu sehen – außer in einem kleinen Film, den die Uhrenmarke IWC Schaffhausen mit großem Aufwand von Peter Lindbergh hat produzieren lassen. Da spaziert Cate Blanchett Arm in Arm mit Kevin Spacey und schleckt dabei ein Eis. Elle Macpherson fährt mit Eric Dane auf einer Vespa. Alles, um die Neuauflage einer Uhrenkollektion zu feinen – der "Portofino".

Uhren im Stil der sechziger Jahre sind derzeit überall zu sehen. Entweder werden Klassiker wie die "TAG Heuer Monaco" in neuen Editionen aufgelegt oder neue Modelle im Retro-Design entworfen. Die Sechziger sind wieder da – waren sie eigentlich jemals weg? Sie feiern ihr Comeback, seitdem es sie gab.

In der Mode haben sich Miuccia Prada und Michael Cors schon vor Jahren vom Stil der Sechziger inspirieren lassen, der nach der US-Fernsehserie auch "Mad-Men-Look" genannt wird. Ob es die Pettycoats sind, die A-förmigen Kleider des frühen oder die Mini-Silhouetten und futuristischen Schnitte des späten Jahrzehnts – die Sechziger hatten die schönsten Kleider, die schönsten Möbel, die schönsten Autos, die schönsten Filme, die schönsten Menschen. Jedenfalls empfinden wir das so. Warum nur? Vielleicht liegt es daran, dass die Sechziger das Geburtsjahrzehnt der modernen Zivilisation sind. Diese Dekade hat alles hervorgebracht, woran wir glauben oder nicht glauben.

In ihr fand der Hollywood-Kult seinen Höhepunkt und auch die radikale Ablehnung des Establishments. In den sechziger Jahren wurde mit Atomenergie und Mondfahrt der blinde Technikglaube geboren – und zugleich die Naturreligion der Hippies. Was auch aus uns geworden ist, wir finden unsere Wurzeln in den Sechzigern. Darum weckt, was aus ihnen kommt, so warme Gefühle. Zudem waren gerade die frühen sechziger Jahre, die Zeit, in der die Serie Mad Men spielt, von einer gewissen Reinheit und Unschuld geprägt.

Man konnte an alles glauben, alles vertreten, von allem begeistert sein – die Geschichte verschonte uns eine Weile mit Gegenbeweisen. Der Club of Rome hatte noch nicht die Grenzen des Wachstums definiert. Der Kommunismus war noch nicht gescheitert. Der Kapitalismus durchlebte eine krisenarme Phase. Es gab noch kein Tschernobyl und kein Fukushima. Und wir ahnten noch nicht, dass der Weltraum eine so öde Sache ist.

So erscheinen uns die Sechziger als ewiges goldenes Jahrzehnt, in das wir uns zurückträumen. Dabei vergessend, dass es vieles gibt, das heute besser ist als vor 50 Jahren. Zum Beispiel gehen die Uhren heute wesentlich präziser als damals.