Washington DC. Zwei Stunden lang tagte der libysche Krisenrat im Weißen Haus. Mit aller Härte konfrontierten Gegner und Befürworter einer Militärintervention einander mit ihren Argumenten . Aus Nordafrika war Außenministerin Hillary Clinton zugeschaltet. Am Ende vollzog der eigentlich kriegsmüde Barack Obama eine Kehrtwende. Der Präsident schickte seine UN-Botschafterin Susan Rice mit dem diplomatischen Kampfauftrag in den Sicherheitsrat, sie solle sich nicht nur für ein Flugverbot starkmachen, sondern für "alle erforderlichen Maßnahmen", um die Zivilbevölkerung zu schützen. Freudestrahlend kommentierte Rice später die gewonnene Abstimmung: "Die Vereinigten Staaten sind sehr zufrieden mit dem heutigen Votum und den harten Bestimmungen der Resolution 1973!"

Obamas plötzlicher Wandel ist ihr zu verdanken und Hillary Clinton. Ebenso Samantha Power, einer engen Beraterin aus dem Nationalen Sicherheitsrat , und Anne-Marie Slaughter, die bis vor wenigen Wochen den Planungsstab im Außenministerium leitete, bevor sie auf ihren Lehrstuhl an der Princeton University zurückkehrte. Diese vier Frauen legten sich in den vergangenen Wochen mit den Kriegsskeptikern in der Obama-Regierung an, allen voran dem Verteidigungsminister, gefolgt von seinen Generälen und dem Chef des Nationalen Sicherheitsrats und dessen Vize. Wie in der Regierung, so im amerikanischen Volk: Vor allem die Frauen meinen, man müsse das Morden in Libyen notfalls mit Gewalt beenden.

Die Gegner einer Militäraktion argumentierten gegenüber Obama, eine Flugverbotszone bringe nichts, die US-Armee sei am Ende ihrer Kräfte, Amerika könne sich keinen dritten Krieg leisten – schon gar nicht in einem weiteren muslimischen Land. Im Übrigen müsse man einen Krieg vom Ende her denken: Was wolle man erreichen, mit welchen Mitteln? Und was passiere, wenn der Erfolg ausbleibe, wolle man dann eskalieren?

Seit Wochen schon antworteten die vier Frauen, Amerika drohe mit seinem Zaudern, eine historische Chance zu verspielen. Hillary Clinton, lange ebenso zögerlich, berichtete von der neuen arabischen Geschlossenheit gegen Gadhafi und davon, dass viele junge Demokratiebewegungen von Amerikas Wankelmut enttäuscht seien. Einige wollten sie gar nicht empfangen.

Die Menschenrechtsprofessorin Power argumentierte, wenn man nicht umgehend mithelfe, einen Genozid zu verhindern, werde Amerika jede Glaubwürdigkeit verlieren. Gerade die arabischen Demokraten hätten große Erwartungen an die Präsidentschaft Obamas geknüpft. Auch Princeton-Professorin Slaughter eben noch selbst Regierungsmitglied, griff mit einem Meinungsartikel scharf in die Debatte ein. Obama müsse seinem "hochtrabenden Versprechen", die Araber in ihrem Freiheitskampf nicht alleinzulassen, endlich Taten folgen lassen. "Jetzt haben wir die Chance, einen wirklichen Neuanfang in der muslimischen Welt zu unterstützen."

Es war keine konzertierte Aktion, die vier sind kein Netzwerk, sie bilden keine Viererbande, sondern eine eher zufällige Truppe. Einige sind sich nicht einmal besonders grün. Susan Rice wäre wohl selbst gern Außenministerin geworden. Die scharfzüngige Harvard-Professorin Power, die auch schon mal Modell für ein Modemagazin steht, nannte Clinton im Wahlkampf 2008 wegen ihres Schlingerkurses im Irakkrieg ein "Monster".