Das war sie also, die groß angekündigte Reform der europäischen Währungsunion . Alle wichtigen Beschlüsse sind gefasst, die Staats- und Regierungschefs dürften sie auf ihrem Treffen in Brüssel am Donnerstag dieser Woche nur noch abnicken.

Das Ergebnis wird den Süden enttäuschen, weil er die Hoffnung auf einen innereuropäischen Länderfinanzausgleich begraben muss. Zwar wird ein dauerhafter Rettungsfonds eingerichtet , aus dem Krisenstaaten mit Finanzhilfen unterstützt werden. Doch genau wie sein Pendant auf globaler Ebene, der Internationale Währungsfonds, verschenkt er sein Geld nicht, sondern vergibt Kredite, die zurückgezahlt werden müssen und die an strenge Auflagen gekoppelt sind. Und genau wie die Welt insgesamt keine Transferunion ist, nur weil es den Weltwährungsfonds gibt, so wird auch Europa keine solche sein, nur weil es den Europäischen Währungsfonds gibt.

Den Norden wird das Resultat ebenfalls enttäuschen, weil in Europa weiterhin an jeder Wegbiegung die Politiker das Sagen haben. Ja, es werden einige Vorschriften verschärft, und die Abstimmung der Wirtschaftspolitik wird ein wenig verbessert. Doch Schuldensünder werden auch künftig nicht automatisch bestraft, und private Gläubiger tragen auch nicht automatisch einen Teil der Kosten einer Staatspleite.

Angela Merkel hat verhindert, dass Europa eine Haftungsgemeinschaft wird. Nicolas Sarkozy hat verhindert, dass es sich strenge Regeln gibt.

Die Kritik an Madame und Monsieur Non wird nicht auf sich warten lassen, doch mehr als ein kleiner gemeinsamer Nenner ist in Europa derzeit nicht möglich. Die Politiker scheuen sich, nationale Souveränität aufzugeben, und die Bürger wollen nicht zu viel internationale Solidarität.

Dabei werden die Staaten Europas künftig wirtschaftlich noch stärker voneinander abhängen als bisher schon. Sollte sich in Irland, Griechenland und Portugal, dem nächsten Kandidaten für ein Hilfsprogramm, die Wirtschaft erholen, werden die Deutschen ihr Geld zurückerhalten. Mit Zins und Zinseszins. Erklären sich die Krisenstaaten dagegen für bankrott, ist das Geld weg. Anders gesagt: Misslingt die Rettung, bezahlen wir für den Euro. Gelingt sie, verdienen wir an ihm.

Von der wirtschaftlichen zur politischen Union – das war der Traum der Gründerväter der EU. Doch vorerst wird Europa eine Gemeinschaft unabhängiger Staaten bleiben. Damit liegt die Zukunft des Euro in den Händen der einzelnen Länder. Er wird überleben, wenn alle so wirtschaften, wie es die Mitgliedschaft in einer Währungsgemeinschaft erfordert. Er wird untergehen, wenn jeder auf seinen eigenen kurzfristigen Gewinn schaut.