Tausende Menschen in ungeheizten Notunterkünften, bittere Kälte und verwüstete Städte, über allem der drohende GAU – den Japanern in einer solchen Lage zu helfen ist ein menschliches Bedürfnis. Am besten so schnell und direkt wie möglich. Gern wüsste jetzt jeder Spender, wen er unterstützen soll. Doch Hilfe in einer derartigen Krise ist eine strategische Herausforderung, bei der man dem Urteil professioneller Helfer vor Ort vertrauen muss. "Wo 500 Kilometer Infrastruktur weggespült wurden, kann man nicht einfach Lkws reinschicken", sagt Rainer Lang vom Katastrophenschutz der Diakonie. Deswegen sind kleine Initiativen derzeit relativ machtlos. Große Hilfsorganisationen haben meist mehr Erfahrung mit logistischen Hindernissen.

Doch selbst sie stehen vor außergewöhnlichen Problemen: Da Japan eine Industrienation ist, haben viele Hilfsorganisationen dort kein bestehendes Netzwerk . Sie konzentrieren sich sonst auf ärmere Länder. Eine Ausnahme ist das Rote Kreuz, da es auch für die Erdbebenvorsorge in Japan zuständig ist. "Normalerweise treffen wir die japanischen Kollegen immer als Spezialisten bei Auslandseinsätzen", sagt Svenja Koch, Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes. Sie wundert sich nicht, dass das Japanische Rote Kreuz bisher keine personelle Unterstützung aus anderen Ländern eingefordert hat. 55.000 Mitarbeiter und zwei Millionen ausgebildete Freiwillige stehen dem japanischen Roten Kreuz zur Verfügung. Finanzielle Unterstützung wird dennoch gebraucht. Straßen freiräumen, Benzin verteilen Decken, Suppen und Medikamente verteilen, all das ist teuer. Falls Geld übrig bleibt, steckt das Japanische Rote Kreuz es in die Katastrophenvorsorge. "Nach dem Beben ist vor dem Beben", sagt Svenja Koch. Allein der guten Vorbereitung der Japaner auf Erdbeben und Tsunamis sei es zu verdanken, dass trotz des Desasters bisher alles relativ glimpflich ablief.

Doch obwohl der wirtschaftliche Schaden in Japan von der Weltbank auf bis zu 166 Milliarden Euro geschätzt wurde, gibt es in Deutschland Diskussionen, ob die reichen Japaner überhaupt Hilfe brauchten. Wer vermeiden möchte, dass mehr Geld als nötig in die Japan-Hilfe gesteckt wird, sollte den Zweck seiner Spende offenlassen. Man trägt auf der Überweisung nicht mehr als Verwendungszweck "Japan" oder "Tsunami" ein, sondern spendet das Geld frei, sodass die Hilfsorganisation selbst entscheidet, wofür es benötigt wird. "Viele Menschen spenden auch außerhalb besonderer Katastrophen zweckgebunden, weil sie den Organisationen misstrauen", sagt Burkhard Wilke, Leiter des Deutschen Zentralinstitutes für soziale Fragen (DZI), "dabei sollte man nur an Organisationen spenden, von denen man überzeugt ist." Ihnen kann man die Entscheidung über den Verwendungszweck anvertrauen.

Spontane Helfer stehen oft vor ungeahnten Hürden. So hat die Aktion 1000 Leben auf www.projapan.de Deutsche gesucht, die japanische Kinder und Eltern für eine Zeit aufnehmen und Geld für ihre Flüge spenden. 1000 Begeisterte meldeten sich. Da merkte Initiator Reinhard Pregla, dass die Familien, die in Japan alles verloren haben, oft auch keine Pässe mehr besitzen. Von drei Müttern mit Kindern, für die Flüge bezahlt wurden, kam bisher eine an. Ob die potentiellen Gastfamilien geeignet sind, muss auch kontrolliert werden. Weil die Arbeitsweise privater Initiativen schwer zu beurteilen ist, rät das DZI zu Vorsicht. "Wir verstehen uns als Plattform, die Leute zusammenbringt. Generalstabsmäßig organisieren können wir nicht", sagt Pregla. Doch selbst wenn er sein Angebot perfektioniert, weiß er, dass es nur für Menschen gilt, die sich aus eigener Kraft aus den Krisengebieten befreien und zum Flughafen begeben können.

Spendenadressen:  

Das DZI hat unter www.dzi.de eine Liste zusammengestellt, auf der zuverlässige Hilfsorganisationen mit guten Kontakten nach Japan aufgelistet sind. Dazu gehören das Deutsche Rote Kreuz e.V., Bank für Sozialwirtschaft, Konto 414141, BLZ 37020500, und die Aktion Deutschland hilft e.V., Bank für Sozialwirtschaft, Konto 102030, BLZ 37020500