Die Schäden von Fukushima übertreffen jene von Harrisburg bereits um ein Mehrfaches. Bislang erwägen erst wenige Länder so wie Deutschland den Atomausstieg , die EU will nur freiwillige Stresstests für Kernkraftwerke. Doch längst wird in Fachkreisen diskutiert, welche Konsequenzen für die Sicherheit die Kernkraftnationen jetzt aus der japanischen Katastrophe ziehen müssen. Fasst man die Expertenmeinungen und den internationalen Quellenstand zusammen, ergeben sich sieben Forderungen:

1. Siedewasserreaktoren des Typs Fukushima, die in Erdbebenregionen oder an Meeresküsten stehen, gehören abgeschaltet

Das gilt insbesondere für die Reaktoren in den USA , Spanien und in der Schweiz (Mühleberg) . Und es sollte viel schneller gehen als seinerzeit bei den RBMK-Reaktoren vom Tschernobyl -Typ. Sie wurden zwar außerhalb Russlands abgeschaltet, aber erst nach langwierigen internationalen Verhandlungen.

2. Drastische Verschärfung der bisherigen Anforderungen an die Erdbebensicherheit

Bei jenen Reaktoren, die nicht unter 1.) fallen, soll der Sicherheitszuschlag nicht wie bisher eine, sondern möglichst zwei Magnituden auf der Richterskala umfassen.

3. Die Notstromversorgung muss viel robuster gemacht werden

Bislang galt ein völliger Blackout über mehrere Tage hinweg als schlicht unmöglich. Fukushima hat das Gegenteil bewiesen .

Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen. © Julika Altmann

4. Lagerbecken für alte Brennstäbe ausräumen

Die enormen Mengen abgebrannter Brennelemente müssen so rasch wie möglich in sichere Trockenlager – etwa in Castorbehälter – gepackt werden. Die vielerorts kaum geschützten Wasserbecken zur Zwischenlagerung sind eine gefährliche Schwachstelle.

5. Alle derzeitig aktiven Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA) sind infrage zu stellen

Denn hier lagern enorme Mengen an Kernbrennstoff, meist schlecht geschützt in Wasserbecken. Zu den weltweit bedeutendsten WAAs zählen jene in La Hague (Frankreich) und in Sellafield (Großbritannien), dazu je zwei in Russland und Japan (Rokkasho im Bau).

6. Keine Alleinherrschaft der Betreiber in der Krise

Nukleare Sicherheit ist eine globale Angelegenheit. Deshalb dürfen bei schweren Havarien nicht lokale, wirtschaftlich getriebene Kraftwerkseigner wie Tepco entscheiden. Alle Notfallmaßnahmen gehören unter Supervision nationaler Instanzen – und auch diese müssen sich von Experten unter Schirmherrschaft der Atomenergie-Organisation IAEO helfen lassen.

7. Gefahren glaubwürdig erklären

Was widersprüchlich oder nicht nachvollziehbar ist, verunsichert. So evakuierte Japan einen Umkreis von 20 bis 30 Kilometern um Fukushima, während etwa die USA 80 Kilometer forderten . Viele Deutsche flüchteten aus Tokyo oder ganz aus Japan. Nur transparente Kommunikation von Risiken, etwa die Belastung von Lebensmitteln , weckt Vertrauen. Eine glaubwürdige, supranationale Instanz sollte Unklarheiten und Widersprüche klären und die Kommunikation unterstützen.