Wind

Christiane Friedrich, 26, ist Projektingenieurin bei DeWind in Lübeck

"Ich bin fasziniert von der Größe der Maschinen, mit denen man in der Windbranche zu tun hat . In meinem Studium habe ich mich mit Antriebssystemen und Offroad-Fahrzeugtechnik befasst. Und da geht es ja auch um große Fahrzeuge: Bagger, Kräne, diese Kategorie. Ich muss etwas sehen und anfassen können, rechne lieber in Tonnen als in Milligramm.

Ursprünglich wollte ich Bauingenieur werden, so wie mein Vater. Doch wegen der schlechten Arbeitsmarktlage entschied ich mich für einen anderen technischen Bereich und fing gleich nach dem Abitur ein Maschinenbaustudium an der TU Dresden an. Das Interesse für die Windenergie hat dann mein Professor geweckt, der dort sehr engagiert war. Ich bewarb mich bei verschiedenen Firmen für ein Fachpraktikum und bekam von DeWind eine Zusage. Dort habe ich direkt im Anschluss meine Diplomarbeit geschrieben und bin dann nahtlos übernommen worden.

Derzeit bin ich unter knapp 30 Ingenieuren die einzige Frau . Auch in Meetings mit Zulieferern bin ich fast immer in einer reinen Männerwelt. Das stört mich aber nicht, mich hat noch niemand schief angeschaut oder eine blöde Bemerkung gemacht. Außerdem bin ich schon als Kind immer besser mit Jungs klargekommen. Und in den Mathe- und Physik-Leistungskursen gehörte ich ja auch schon zur Minderheit.

Ich leite das Projekt Hauptgetriebe für die Anlagen, die wir momentan entwickeln, und bin verantwortlich für die Großwälzlager – etwa das Lager zwischen Turm und Gondel – und die Blattlager. Ich schreibe die Spezifikationen, prüfe Lasten, führe fast die komplette technische Kommunikation mit den Zulieferern. Ich reise auch zu Zulieferern, beispielsweise um dort Qualitätsabnahmen zu machen, gemeinsam mit einem unserer Qualitätsingenieure. Als Jungingenieurin brauche und bekomme ich natürlich hier und da etwas Unterstützung.

Bislang war ich dreimal auf einer Anlage. Wenn man da auf 80 Meter Höhe angekommen ist, setzt man sich erst einmal aufs Gondeldach und lässt das auf sich wirken.

Die Windenergiebranche hat noch ein enormes Entwicklungspotenzial , gerade was die Antriebsstrang-Konzepte angeht, Getriebe und Generatoren. Es gibt noch nicht die Standardanlage, die jeder Hersteller baut und die super funktioniert. Jeder hat ein anderes Konzept. Alle wollen weg von der Atomenergie, das kommt unserer Branche natürlich zugute."