Meist sind es junge Frauen, die zu den individuellen Beratungsgesprächen nach ihrem Vortrag kommen – kleine, zierliche, die befürchten, in ihrem Männerberuf nicht für voll genommen zu werden. So wie Pinar Türen, eine angehende Bauingenieurin, die im Juni ihren Abschluss macht. Tatsächlich ginge die 24-Jährige mit den langen braunen Haaren auch als Abiturientin durch. Zu Bewerbungsgesprächen trägt sie Jeans, mit der Begründung: "Das sieht tough aus, schließlich muss ich später auf die Baustelle." Wolf rät zur Anschaffung eines Hosenanzugs: "Sie müssen Ihre berufliche Kompetenz durch Ihre Kleidung unterstreichen." Wer ernst genommen werden wolle, müsse entsprechende Signale aussenden.

Dass diese Form der Kommunikation nicht immer die größte Stärke junger Ingenieure ist, bestätigt das Gespräch mit Personalchefs auf der Messe. Bewerber mit hervorragendem Technikverständnis finde man zuhauf, sagen sie. Aber das Berufsbild habe sich gewandelt: Ingenieure seien nicht mehr die Bastler im Hintergrund, sondern nähmen Schnittstellenfunktionen in den Unternehmen ein. "Qualifizierte Techniker, die Spaß an repräsentativen Aufgaben haben, sind selten", sagt ein Personalreferent eines Unternehmens, bei dem derzeit 650 Jobs ausgeschrieben sind.

Wenn Defizite im Auftreten der Grund für eine Ablehnung sind, erfahren die Bewerber das aber meist nicht. Seit der Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes ist die Gefahr für Unternehmen zu groß, sich nach einem offenen Feedback mit Klagen herumschlagen zu müssen. Vielleicht ist der 31-jährige Chemieingenieur, der nach 200 Bewerbungsschreiben und zwanzig Vorstellungsgesprächen immer noch keine Stelle gefunden hat, so ein Fall. "Mein Professor sagt, die Bewerbungsunterlagen seien einwandfrei", sagt er.

Höflich weist Birgit Wolf auf seinen knittrigen Anzug hin und die verdrehte Krawatte, die just am Knoten einen Fleck hat. Die Ausrede, eine regelmäßige Reinigung sei zu kostspielig, lässt sie nicht gelten. "Es wirkt, als hätten Sie sich nicht auf das Treffen mit der Firma vorbereitet." Mit Blick auf die klobigen Konfirmandenschuhe rät sie zu einer Neuanschaffung, außerdem bemängelt sie die ausgewaschenen Socken. Die Idee, zwei Paar übereinander anzuziehen, um das Schwarz zu verstärken, weist sie freundlich zurück, bevor sie zu einer kurzen Farbberatung übergeht: Lieber ein dunkelblauer Anzug statt des braunen Modells, und auch der kanariengelbe Schlips sei bei blassem Teint die falsche Wahl. Kein weißes Hemd, das betone die Bartstoppeln: "Greifen Sie zu Hellblau."

Bevor sie sich mit Farben befasste, hat Birgit Wolf einige Jahre bei einer Bank Börsengänge begleitet. Die Angepasstheit der Banker lag ihr nicht, also nutzte sie die Geburt ihres zweiten Kindes zum Ausstieg aus der Branche. "Ingenieure sind da ganz anders", sagt sie, "denen liegt die große Show nicht." Im Grunde findet sie das ganz sympathisch.

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