Es gibt einige unbefriedigende Erklärungen für das Phänomen, dass ein heruntergefallenes Butter- oder Marmeladenbrot fast zwangsläufig auf der beschmierten Seite landet. Die erste nennt sich Murphys Gesetz, nach dem alles, was schiefgehen kann, auch tatsächlich schiefgeht. Ein solcher Fatalismus ist in diesem Fall nicht angebracht, ein bisschen Physik kann die Sache auch erklären.

Also ein zweiter Versuch: Das Brot ist auf der beschmierten Seite schwerer als auf der anderen. Aber dieser Faktor ist vernachlässigbar. Experimente haben gezeigt, dass Brote, die man hochkant nach unten fallen lässt, auf beiden Seiten gleich häufig landen.

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Aber das Missgeschick passiert ja nicht, weil Leute wild mit Butterbroten um sich werfen, sondern meistens in einer Standardsituation. Das Brot liegt waagerecht auf dem Tisch, vielleicht noch auf einem Teller, mit der Butterseite nach oben. Dann wird es durch den unachtsamen Esser über die Tischkante hinausgeschoben.

Das überstehende Ende neigt sich vor dem Fall nach unten, dadurch bekommt das Brot einen Rotationsimpuls. Es dreht sich um einen gewissen Winkel, bis es auf dem Boden aufschlägt. Man kann sich leicht klarmachen, dass das Brot bei jedem Winkel zwischen 90 und 270 Grad auf der Butterseite landet.

Und das bedeutet: Bei der üblichen Höhe von Esstischen ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass das Malheur eintritt. Das ist in Versuchen vielfach überprüft worden, von Physikern, Fernsehmoderatoren und Mathematiklehrern. Erst wenn der Tisch über zwei Meter hoch ist, reicht der Schwung aus, um das Brot wieder in seine ursprüngliche Lage – Butter oben – zu drehen.

Als Erster hat der britische Physiker Robert Matthews die ganze Sache mit Formeln berechnet. Für seine Arbeit Tumbling Toast, Murphy’s Law and the Fundamental Constants, erschienen im European Journal of Physics, bekam er 1996 den parodistisch gemeinten "IgNobel-Preis".

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg, oder stimmts@zeit.de . Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio