So laut hat die Schuldenuhr in den Vereinigten Staaten noch selten getickt. Es fehlen jetzt nur noch Tage, dann drohen die USA ihren Kreditrahmen zu überziehen. Es ist ein politisch bestimmter, vom Schuldner sozusagen selbst festgelegter Kreditrahmen, aber immerhin: Die amerikanische Neuverschuldung wird nun diese gesetzlich festgelegte Obergrenze für die Staatsschulden erreichen. Sie liegt bei 14,3 Billionen Dollar. Das Finanzministerium geht davon aus, dass es übernächste Woche passiert.

Was passiert dann? So wie die Gesetzeslage im Augenblick aussieht, kann dann Präsident Barack Obamas Schatzmeister laufenden Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Das heißt, dass er etwa Überweisungen an Rentner einstellen muss. Oder er muss die Zinsen für die Staatspapiere stunden lassen. Zumindest vorübergehend. Wenn dieser Fall eintritt, hat das also auch Auswirkungen auf den weltweiten Finanzmarkt. Sollten die USA ihre Zinszahlungen schuldig bleiben, würde das "eine enorme Krise an den Finanzmärkten auslösen", hat schon einmal vorsorglich der US-Zentralbankchef Benjamin S. Bernanke gewarnt.

Abgesehen von den negativen Effekten auf die weltweite Wirtschaftserholung und den kaum wieder gutzumachenden Vertrauensverlust in die internationale Wirtschaft, müsste Obamas Regierung – ganz praktisch gesprochen – einen herben Bonitätsverlust bei den internationalen Investoren hinnehmen.

Schon Anfang des Jahres hatten Ratingagenturen gewarnt, dass die bislang trotz allem noch supersolide AAA-Bewertung der US-Staatspapiere gefährdet sei. Am Finanzmarkt spuken bereits Gerüchte über eine potenzielle Dollarpanik herum, als eine Verkaufswelle, gefolgt von einem rapiden Kursverlust der Währung.

Das alles lässt sich natürlich aufhalten: Die Regierung muss die Obergrenze bloß rechtzeitig erhöhen, also ziemlich zügig. In Washington findet allerdings seit den Kongresswahlen vom Herbst ein ziemlich heftiges Armdrücken statt. Obamas Demokraten hatten damals die Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren und konnten ihren Vorsprung im Senat nur ganz knapp halten. Viele der neuen Abgeordneten der Republikaner wurden mit den Stimmen der extrem konservativen Bürgerbewegung Tea Party gewählt.

Tea-Party-Leute sind aber zugleich Anhänger einer radikalen Sparpolitik. Sie wollen der Erhöhung der Schuldenobergrenze nur zustimmen, wenn Obama gleichzeitig harte Streichungen beim Budget zusichert – vor allem bei der Sozialversicherung und der staatlichen Gesundheitsversorgung Medicare .

Noch setzen die Investoren darauf, dass es eine Einigung in letzter Minute geben wird – wie bisher immer: In den vergangenen 50 Jahren ist die Obergrenze 74-mal erhöht worden. Doch so brisant wie heute war das Umfeld selten. Washington spielt ein Spiel mit dem Feuer.