Dass sich seine Zukunft um Flugzeuge drehen würde, war Michael Enzinger, wie man so schön sagt, wohl schon in die Wiege gelegt worden. Auf dem Flugplatz kannte er sich aus, bevor er laufen konnte. Sein Vater war Jagdflieger, und der Starfighter wurde schon bald Michaels Lieblingsflugzeug. Weil er Flugzeuge aber lieber mitentwickeln und gestalten wollte, als sie zu fliegen, studierte Enzinger später Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart und Toulouse, dazu noch Elektrotechnik in Hagen.

Inzwischen arbeitet Michael Enzinger, 34, bei Airbus in Hamburg, im Bereich Research & Technology leitet er ein Programm zur Brennstoffzellenentwicklung. Salopp gesagt, wird hier und durch ihn die Zukunft gemacht. Enzingers Herausforderung besteht zurzeit in der Aufgabe, die Flugzeugtechnik umweltfreundlicher zu gestalten.

Damit passt sein Forschungsvorhaben exakt zu den Vorhersagen wichtiger Zukunftsforscher , die für die kommenden Jahrzehnte sowohl den Umweltschutz und als auch umweltfreundliche Technologien als das beherrschende Thema sehen.

Die umweltfreundliche Technologie heißt in Enzingers Fall: multifunktionale Brennstoffzelle . Sie soll bewirken, dass ein Flugzeug, das am Boden steht und auf dem Flughafenvorfeld abgefertigt wird, nicht mehr von Hilfstriebwerken abhängig ist, sondern sich selbstständig und emissionsfrei mit Energie versorgen kann. Ab dem Jahr 2025 könnten alle neuen Airbusse mit der Brennstoffzelle ausgerüstet sein. Das klingt nach einem überschaubaren Zeithorizont, dabei geht es hier um ein Projekt riesigen Ausmaßes: Enzingers Entwicklung wird, wie er sagt, eine völlig neue Flugzeugarchitektur zur Folge haben und den Flughafenbetrieb weltweit verändern.

Damit aus Visionen Wirklichkeit wird, gibt es bei Airbus Abteilungen wie Research & Technology oder Future Projects. Da darf auch mal gesponnen werden, wie ein Flugzeug in 40 Jahren aussehen könnte. Alle paar Monate treffen sich Ingenieure, Naturwissenschaftler und die Experten auf den Gebieten Brennstoffzellen sowie Wasser- und Luftsysteme mit Spezialisten für Marktanalyse oder Flugbetrieb. Sie bilden Ausschüsse zu bestimmten Themen und besprechen Trends, Konzepte, Fragestellungen und mögliche Antworten. Was können wir schon morgen umsetzen, was erst in 15 oder 30 Jahren? "Je weiter es in die Zukunft geht, desto revolutionärer werden die Ideen", sagt Enzinger.

Irgendwann sei einer gekommen und habe gefragt: Wir wollen ein umweltfreundliches Flugzeug machen, was habt ihr dazu? Da wurde die Brennstoffzelle als Ersatz des Hilfstriebwerks vorgeschlagen, und nun wird dieses Projekt gerade Wirklichkeit.

Der große Vorteil der Brennstoffzelle: Sie stinkt und lärmt und schmutzt nicht. Sie sondert keine Abgase ab, wie die Hilfstriebwerke bisher. Als Abfallprodukte entstehen lediglich Wasser und sauerstoffarme Luft, quasi Stickstoff – ein sogenanntes Inertgas.