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Gedichte - Politische Lyrik: "Neulich in der Angstbude" Das Video zur ZEIT-Serie "Politik und Lyrik": Diese Woche liest der Autor Michael Lentz für ZEIT ONLINE sein Gedicht über Bundestagsabgeordnete.

Michael Lentz: Neulich in der ANGSTBUDE

1

wie aber sollen wir denen zuhören
die sich einander nicht zuhören
die sich nur zuhören wenn sie selber sprechen
die sich nur selber sprechen
und selbst dann frage sie nicht was sie gesagt
die abwinken aufstehen weggehen
die kommen und gehen wann es ihnen passt
und es passt immer
wie aber sollen wir denen zuhören
die gar nicht mehr wissen was zuhören ist
die mitten in anderer rede ihr blendwerk tun
die sich im blauen sessel flegeln fingern die welt im tablett
abserviert stillgelegt kein schwein ruft sie an
das telefon im sitzungssaal bleibt schwarz

schnell notiert gemeint verhört
"du sollst nichts Falsches gegen deinen Nächsten aussagen" – doch
dieser zwang dem hintermann ins ohr zu flüstern
lüstern – ach wie JUNGE TINTE IRRT
und schon in die bundeslade nachgelegt

ihr seid flegel ihr glaubt wohl
die im hellen sieht man nicht
wir thronen über euch
mehr EUdämonie herrendamen, mehr ataraxie!
setzt euch hin und redet nicht so viel
über dinge die man mit politik verwechseln kann

2

schande soll kommen über dich
du schürzt nur den mund dem kein portiönchen sinn entkommt
du kennst nicht deine schmach und deine schande nicht
mögen deine widersacher dir alle vor augen stehen
dass die schande das herz dir breche und du umsonst auf mitleid wartest
kein tröster soll dich ereilen und dein herz ganz leer sein
dein nein setze dich ins nichts

MISSTRAUEN SEIN? STUSS ANIMIEREN!
ein bisschen nicht dabei das bist du selbst
LESE WER WELT – du versagst: WELTESEL WER
auf deiner welle reitet, SINNES SAUMTIER
du INSERATES MINUS UMRISSENES ANTI
AMÜSIERST SINN ÄUßERST MINNI
außen MINISTER, innen REIN MIST

3

agfanistan agfanistan
wie treu sind unsre blätter
mit Guttenberg mit Guttenberg
da lässt ließ sich halt was machen
der ist war fürwahr der rechte mann
den KREMEL jetzt wohl brauchen kann!
mit Guttenberg mit Guttenberg
da lässt ließ lässt sich halt was machen
(abwinken weggehen. aufstehen)

(Die Wörter in Versalien sind Anagramme aus Bundestag, Jürgen Trittin, Außenminister, Westerwelle, Minister, Merkel)