Die Deutsche Telekom bereitet das juristische Ende der Spitzelaffäre vor. Am vergangenen Freitag veröffentlichte der Bonner Konzern die Einzelheiten zum geplanten Vergleich mit dem früheren Vorstandschef Kai-Uwe Ricke und dem ehemaligen Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Klaus Zumwinkel. Auf der Hauptversammlung am 12. Mai müssen die Aktionäre darüber abstimmen, ob die Telekom darauf verzichtet, von beiden je eine knappe Million Euro Schadensersatz zu fordern.

Die amtierenden Konzernlenker glauben nämlich, dass Ricke und Zumwinkel in den Jahren 2005 und 2006 ihre Sorgfaltspflichten verletzt haben – was die beiden bestreiten. Zu den Amtszeiten der Manager ließ die Sicherheitsabteilung der Telekom Dutzende Mitarbeiter, Gewerkschafter und Betriebsräte bespitzeln, um herauszufinden, wer Interna an die Presse gab. Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Ricke und Zumwinkel waren im vergangenen Sommer mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt worden. Stimmen die Aktionäre nun dem Vergleich zu, endet auch die zivilrechtliche Aufarbeitung des wohl größten Überwachungsskandals der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Der Inhalt des Vergleichs erlaubt tiefe Einsichten in die Gepflogenheiten der Managerhaftung. Im Wesentlichen sollen Ricke und Zumwinkel jeweils 600.000 Euro bezahlen. Davon wird die Managerhaftpflichtversicherung in beiden Fällen 350.000 Euro übernehmen, jeweils 250.000 Euro wollen Ricke und Zumwinkel selbst tragen.

Der Vergleichstext verrät, dass die Zahlungen kein Eingeständnis von Verantwortung bedeuten sollen – die Manager beteuern also ausdrücklich, nicht rechtswidrig gehandelt zu haben. Man wolle nur eine wirtschaftlich vernünftige Lösung finden, um lange Schlammschlachten vor Gericht zu vermeiden. Anders gesagt ist die Summe also kein Gradmesser für die Schuld, sondern für das ökonomische Interesse aller Beteiligten, die Sache endgültig ruhen zu lassen. Interessant ist, dass die Versicherungen mitspielen. Was bleibt, ist jeweils eine Viertelmillion "Selbstbehalt": Das ist der Preis des Friedens.

Dieser Preis ist für beide Manager gleich hoch . Doch womöglich liegt ausgerechnet in dieser Gleichheit eine große Ungleichheit. Man kann den Text nämlich auch so lesen, dass Zumwinkel einen höheren Preis zu zahlen bereit ist als Ricke.

Es ist normal, dass für Spitzenmanager Haftpflichtversicherungen abgeschlossen werden. Ebenso normal ist aber auch, dass diese keinen Vollkaskoschutz gewähren sollen. Im Jahre 2005, also dem ersten Jahr der Spitzelaffäre, legte eine Regierungskommission im Deutschen Corporate Governance Kodex fest, dass bei Versicherungen für Vorstände und Aufsichtsräte ein "angemessener Selbstbehalt" vorgesehen werden soll. Auch die Telekom hat sich damals diesem Kodex unterworfen.