Amerikanische Streitkräfte bombardieren Libyen mit Aberhunderten von Raketen, von denen einige angeblich 1,5 Millionen Dollar das Stück kosten. Mit größter Wahrscheinlichkeit werden dabei Abertausende von Menschen ums Leben kommen, auch wenn alles, was uns die amerikanischen Medien derzeit zeigen, glänzende Flugzeuge und elegant geformte Geschosse sind, die wie in einem superteuren Hollywoodfilm in perfekten Bahnen durch den Himmel fliegen.

"Was halten Sie von der amerikanischen Beteiligung in Libyen?", frage ich eine Gruppe junger Leute in einem Diner am Broadway. "Wovon sprechen Sie?", fragt mich ein adrett gekleideter Kellner. Ich formuliere die Frage um: "Wie denken Sie über Präsident Obamas Entscheidung, Libyen zu bombardieren?" "Ich liebe Präsident Obama", antwortet er. "Was immer er tut, ist für mich in Ordnung. Er hat ein Herz für die Schwulen, und das ist großartig."

Die meisten Gäste stimmen ihm zu. Auch sie lieben Obama. In einem Umfeld von solcher politischen Kennerschaft hat sich der Broadway nun zur Aufführung eines politischen Schauspiels durchgerungen. Und wer wäre besser für diese Aufgabe geeignet als der berühmte Robin Williams? Willkommen im Richard Rogers Theatre, direkt gegenüber der Scientologykirche von New York, wo heute das angesagte Politstück Bengal Tiger at the Bagdad Zoo Premiere hat.
Robin, für viele der genialste amerikanische Schauspieler überhaupt, gibt heute sein Broadway-Debüt und spielt niemand Geringeren als den Tiger selbst!

Ja. Der Mann, den Millionen als jenen DJ kennen, der im gleichnamigen Film "Good Morning, Vietnam!" in den Äther schreit, brüllt nun, dass "Löwen die dämlichsten, abgefucktesten" Viecher überhaupt seien, während im Richard Rogers das Bühnenlicht angeht. "Wir sind im Krieg, schalt mal deinen Verstand ein", ruft er. Der DJ von gestern ist heute ein sprechender Tiger, und er ist in einem Käfig. Zwei amerikanische Soldaten stehen links und rechts neben ihm und zielen mit ihren Gewehren auf ein verdächtiges Flugobjekt, bei dem es sich allerdings um einen Vogel Strauß handelt. Interessanterweise sprechen hier nicht nur die Tiger, sondern auch die Soldaten. Übers Ficken und über eine Toilette aus Gold. Hin und wieder unterbricht sie der Tiger. "Besagter Eisbär hat Selbstmord begangen", bemerkt er dann zum Beispiel.

Apropos Selbstmord. Der Tiger beißt einem der Soldaten die rechte Hand ab und wird von dem anderen Soldaten erschossen. Robin Williams, muss ich nun zu meinem Bedauern mitteilen, ist tot. Wie wird dieses Stück ohne seinen Star weitergehen? Ich weiß es nicht. Aber er ist tot, zweifellos. Ich kann sehen, wie das Blut aus seinem Torso strömt.

Wo sind wir? Im Irak. Woher wissen wir das? Hier gibt es einen Soldaten, der sagt: "Ich will eine Muschi in einem muslimischen Land." Noch ein Beweis dafür, dass wir im Irak sind – für den Fall, dass wir es noch nicht mitbekommen haben sollten –, erscheint in Form einer Pistole aus Gold. Diese glänzende Pistole, lässt man uns wissen, gehörte einmal Udai, Sohn von Mr. Saddam Hussein. Beide tot mittlerweile.