Was sind das nur für wundersam funkelnde, unterhaltsam leichte und doch verstörend tiefgründige Stücke!

Jedes Mal, wenn einem die Cembalosonaten des italienischen Barockkomponisten Domenico Scarlatti begegnen, beginnt das große Staunen, denn in ihnen liegen das Zierliche und das Verrückte ganz nahe beieinander. Es gibt Sonaten, die fröhlich-virtuos auf den Pfaden konventioneller Barockfiguration dahinschnurren und urplötzlich auf unwegsames Terrain geraten, in irritierende Sackgassen und an scharfe Abbruchkanten.


Manchmal schlägt in ihnen rasant Motorisches ins völlig Durchgeknallte um. Die langsamen Stücke singen in selbstversunkenen Tempi traumschön vor sich hin. Oder es tauchen zur Verblüffung des Ohrs Elemente spanischer Folklore auf. Man glaubt eine Flamencogitarre zu vernehmen und maurische Tanzrhythmen.

Scarlatti lebte nämlich viele Jahre wie ein Aussteiger fernab der barocken Musikzentren auf der Iberischen Halbinsel. Und bevor man die Sonaten richtig verstanden hat, sind sie schon wieder vorbei. Scarlatti hat sie für das Cembalo geschrieben. Der französische Pianist Alexandre Tharaud spielt nun auf seiner neuen CD eine Auswahl auf dem modernen Flügel, was den Stücken zwar etwas von ihrer Exzentrik nimmt, ihnen aber musikalisch guttut: Mit Ernst und konzentrierter Hingabe lauscht er in diese wahrlich zauberische Musik hinein.

"Alexandre Tharaud Plays Scarlatti" ist erschienen bei Virgin Classics/EMI.