Zwei der Atommeiler von EnBW, Neckarwestheim 1 und Philippsburg 1, stehen nach dem von der Bundesregierung angeordneten Moratorium derzeit still . "Das Unternehmen rechnet mit deutlichen Ergebnisausfällen schon während des Moratoriums", sagt EnBW-Aufsichtsratschef Claus Dieter Hoffmann. Vor allem wenn auch der jüngere Meiler Philippsburg 1 auf Dauer ausgeschaltet würde, träfe es das Unternehmen hart. Doch eben darauf laufen die grün-roten Pläne hinaus – geht es danach, sollen auch die beiden übrigen Kernkraftwerke im Lande bis spätestens 2017 vom Netz.

Will man nicht künftig in großem Maße Strom aus Kohle- oder Atomkraftwerken aus dem Ausland zukaufen , sind hohe Investitionen in alternative Energien erforderlich. Das könnte, so schwant inzwischen einigen aus dem grünen Lager, sogar eine Kapitalerhöhung erfordern. Aber woher das Geld nehmen? Durch den – nach Ansicht von Grün-Rot und vielen Experten überteuerten – Kauf der EDF-Anteile stehen schon 4,7 Milliarden Schulden für das Land zu Buche. Und der Preis für die jetzt angedienten Aktien kommt oben drauf. Auch der Zweckverband der OEW hat bereits deutlich mehr als 400 Millionen Euro Schulden, und in den Etats der Landkreise sind die Einnahmen aus ihrer Beteiligung fest eingeplant.

Die finanziellen Zweifel gehen mittlerweile so weit, dass im grün-roten Lager auch schon eine auf den ersten Blick abstruse Option erwogen wird: eine erzwungene Rückabwicklung des Aktiendeals mit der EDF. Rein rechtlich erscheint das angesichts des umstrittenen Vorgehens von Mappus realistisch, und der französische Monopolist hätte genügend Finanzkraft, um dem Umbau von EnBW zu finanzieren. Doch wie soll man der Basis klarmachen, dass man ausgerechnet bei einem Konzern Beistand sucht, der in Frankreich zu fast 90 Prozent auf Atomkraft setzt?

Am 19. April steht die Hauptversammlung von EnBW an. Die neue Landesregierung wird aber frühestens Mitte Mai die Geschäfte übernehmen. Vergeblich hatten Grüne und SPD vor der Landtagswahl auf eine Verlegung gedrängt. So kommt es, dass bislang noch die fünf von der CDU/FDP-Regierung im Februar auserkorenen Vertreter auf der Liste zur Wiederwahl in den Aufsichtsrat stehen: ein Ökonom, zwei Unternehmer und zwei Mitglieder der bisherigen Regierung: Staatsminister Helmut Rau (CDU) und Justizminister Ulrich Goll (FDP). Der Wissenschaftler hat bereits seinen Verzicht erklärt, und die beiden Unternehmer wollen nicht gegen ein grün-rotes Veto antreten. Die scheidenden Minister allerdings zögern noch mit einem Verzicht: "Herr Minister Rau übt sein Aufsichtsratsmandat bis auf Weiteres aus", sagte ein Sprecher der Landesregierung Ende vergangener Woche. Sein Kabinettskollege Goll von der FDP sagte immerhin, er sei "gesprächsbereit".

Sollten die abgehalfterten Minister stur bleiben, läge das außerhalb jeglicher demokratischer Gepflogenheiten, wettert der designierte stellvertretende Ministerpräsident Nils Schmid bereits. Insider rechnen jedoch damit, dass sich das Problem spätestens am 12. Mai, wenn die alte Landesregierung abtritt, lösen wird. EnBW-Chef Hans-Peter Villis dagegen scheint es sich nicht gleich mit den neuen Mächtigen im Lande verderben zu wollen. Während RWE-Chef Jürgen Großmann gegen das von der Bundesregierung verhängte Moratorium vor Gericht zieht , geben sich die Karlsruher vorsichtig. "Wir prüfen den Bescheid. Dies ist ein üblicher Vorgang und nicht gleichzusetzen mit der Prüfung oder Vorbereitung einer Klage."