Auch wenn in den vergangenen Tagen der Kupferpreis wieder leicht nachgegeben hat, dürfte der Wiederaufbau in Japan nach Auffassung von Experten den ohnehin schon rekordverdächtig hohen Preis auf Dauer weiter ansteigen lassen. Sven Müller-Thurau von der Hamburger Aurubis AG, einem der größten Kupferkonzentrat verarbeitenden Betriebe der Welt, beobachtet den Markt genau. Nach seinen Angaben produzierte Japan im vergangenen Jahr rund 1,56 Millionen Tonnen Kupferkathoden. Das sind Bleche, die an den Warenterminbörsen gehandelt und zur Weiterverarbeitung benötigt werden. Da das Land über keine eigenen Kupferminen verfügt, musste es das erforderliche Konzentrat komplett importieren.

Von der japanischen Produktion wurde rund eine halbe Million Tonnen vor allem nach China exportiert. Keiner braucht den Rohstoff so sehr wie die boomende Industrie des Riesenreichs. Auf 8,3 Millionen Tonnen schätzt Michael Blumenroth, Analyst der Deutschen Bank, den chinesischen Verbrauch im vergangenen Jahr. Infolge der Katastrophe in dem gebeutelten Land fehlt jetzt genau die halbe Million Tonnen Produktionskapazität aus Japan. Diese Lücke muss China nun schließen.

Schon allein das bedeutet, dass der Preis weiter steigen wird. Bereits im vergangenen Jahr erreichte er immer neue Höhen. Die Nachfrage nach dem roten Metall übersteigt zunehmend die weltweite Jahresproduktion, die 2009 laut dem World Bureau of Metal Statistics (WBMS) bei 21 Millionen Tonnen lag.

Es gibt zwar noch reichlich Kupfer in der Erde, doch die bislang erschlossenen Minen enthalten nur noch 1,1 Prozent Kupfer im Erz, während es 1980 noch 1,6 Prozent waren. Zudem dauert es zehn bis fünfzehn Jahre, bis eine neue Kupfermine in Betrieb genommen werden kann.

Bereits vor dem Erdbeben in Japan rechneten Experten der Deutschen Bank damit, dass allein in diesem Jahr 500.000 Tonnen des Metalls auf dem Weltmarkt fehlen und die Preise weiter anziehen werden. Analysten gehen von einem Preis von bis zu 13.000 Dollar je Tonne für das laufende Jahr aus. Im Frühjahr 2011 kostete Kupfer bereits mehr als 10.000 Dollar pro Tonne an der LME, der ausschlaggebenden Warenterminbörse. Während der Finanzkrise kostete eine Tonne gerade einmal 3000 Dollar.

Ob Smartphone oder Bremsbeläge: Ohne Kupfer geht in vielen Bereichen nichts. Wie die International Copper Study Group, ein Verband von Kupfer fördernden, verarbeitenden und verbrauchenden Ländern, nachweist, gäbe es ohne das rote Metall kein Licht, kein Telefon, kein Auto und keinen Computer. Auch am Bau spielt das Metall eine große Rolle. Laut LME entfallen rund 28 Prozent des weltweiten Kupferverbrauchs auf dieses Gewerbe.

Im Pro-Kopf-Verbrauch von Kupfer standen die Japaner schon länger an zweiter Stelle hinter den Deutschen. Der Wiederaufbau, der dem verwüsteten Land nun bevorsteht, wird nach Meinung von Müller-Thurau die dortige Nachfrage spürbar ansteigen lassen. Und die mögliche endgültige Schließung von Atomkraftwerken wird laut Müller-Thurau, der im Kupferausschuss der LME sitzt, auch hierzulande die Kupfernachfrage erhöhen. Dafür sorgten vor allem die Investitionen in das Stromnetz, die nötig seien, um die Energie künftig von Nord nach Süd zu leiten.