Aber auch dieser Weg ist nicht risikolos: Die Steigerung der Energieeffizienz könnte verpuffen, weil sie – wie in der Vergangenheit – zu einem höheren Energieverbrauch führen könnte. Wenn die CCS-Technik für die Abscheidung von CO₂ aus der Kohle mittelfristig nicht zur Verfügung steht, könnte ambitionierter Klimaschutz auf internationaler Ebene sehr teuer werden.

Zuvorderst muss der Anteil der erneuerbaren Energien drastisch erhöht werden. Genau hier liegt allerdings das Problem: Es gibt große Unklarheiten und Meinungsverschiedenheiten darüber, wie der verstärkte Ausbau der erneuerbaren Energien genau zu bewerkstelligen ist.

Für Deutschland hat die Kanzlerin nun eine Ethikkommission mit Vertretern aus Kirchen, Gewerkschaften, Wirtschaft und Wissenschaft eingerichtet. Diese Kommission soll über den Ausstieg aus der Kernenergie und den Einstieg in das Zeitalter der erneuerbaren Energien nachdenken. Dass diese Runde vor allem wahltaktischen Überlegungen geschuldet ist, zeigt sich schon daran, dass die Kommission innerhalb von nur drei Monaten ihre Arbeit erledigen soll.

Die Kommission wird vor allem eines nicht leisten können, was jetzt dringend geboten wäre: die relevanten Fakten zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Beispielsweise halten viele Ingenieure die Szenarien zum europäischen Netzausbau für zu optimistisch. Die vom Bundeswirtschaftsminister eingesetzte Plattform für zukunftsfähige Netze beschäftigt sich zwar mit der Frage, wie der Netzausbau forciert werden kann.

Nur, den Bedarf an Netzen kann man ausschließlich dann ermitteln, wenn nicht bloß der Stromsektor isoliert betrachtet wird, sondern wenn zugleich die Rolle der erneuerbaren Energien im Wärmemarkt und Transportsektor geklärt wird.

Wir brauchen endlich eine Landkarte, die zeigt, welche verschiedenen Wege zu einer nachhaltigen Energieversorgung beschritten werden können. Wer je an der Erstellung solcher Landkarten zum Ausbau der erneuerbaren Energien auf internationaler Ebene beteiligt war, weiß, wie dünn die Faktenlage derzeit noch ist.

Wie schnell Deutschland aus der Kernenergie aussteigen kann, lässt sich insgesamt nur klären, wenn man akzeptiert, dass die Teilprobleme nicht isoliert bearbeitet werden können, ohne zu gravierenden Fehlurteilen zu kommen. Die parallel arbeitenden Gremien, die die Bundesregierung eingesetzt hat, werden daher diese Landkarten nicht erstellen. Diesen Runden fehlt das Mandat, das fragmentierte Wissen so zusammenzuführen, dass die Politik und die Gesellschaft überhaupt entscheidungsfähig werden.

Die Bundeskanzlerin könnte die politische Krise nach den Landtagswahlen nutzen, um eine mutige Diskussion um eine Neuausrichtung der Energiepolitik zu beginnen.