Vielleicht ist die Krise der FDP auf dem Höhepunkt, vielleicht ist Schwarz-Gelb auf dem Tiefpunkt der Amtsperiode. Doch die Koalition kriselt schon länger, taktiert mehr, als sie reformiert. Und das ist, mit Verlaub, eine Schande.

Es gäbe viel zu tun für die Regierung. Der Aufschwung tut derweil das, was jeder starke Aufschwung tut: Er läuft, unabhängig von der aktuellen Politik . Verdient haben ihn sich die Bürger mit allerhand Entbehrungen, die Unternehmen und Gewerkschaften mit klugen und flexiblen Verträgen, die vorherigen zwei Bundesregierungen mit mutigen Arbeits-, Renten und Haushaltsreformen.

Doch das Problem ist: Der Aufschwung wird nicht genutzt für weitere Umbauarbeiten, die der Wirtschaft auf lange Sicht neue Stärke verleihen und mehr Gerechtigkeit schaffen könnten. Womöglich betreibt Berlin jetzt nicht nur eine neue Anti-Atom-Rhetorik, sondern treibt tatsächlich auch die überfällige Energiewende hin zu Wind und Wasser, Sonne und Biomasse voran. Womöglich klemmt sie sich wirklich hinter die Wende zu Elektro- und Wasserstoffautos , zu intelligenten Stromnetzen und radikalen Einsparungen beim Energieverbrauch.

Auf anderen Feldern wird keine große politische Energie eingesetzt.

Die billigste Art, dem Unternehmertum das Leben zu erleichtern, ist das Streichen von Paragrafen und Verordnungen. Mit gezählten 40.000 Einzelvorschriften kann es ein Mittelständler in der Bundesrepublik zu tun bekommen, und vor allem Gründer müssen einen Hürdenlauf absolvieren, der eines Industrielandes unwürdig ist. Wo also ist die große Aktion der Bundeskanzlerin, die die Gewichte wieder gerade rückt – die also endlich Banken und Fonds hart reguliert und im gleichen Anlauf die relativ unbescholtenen Industrie- und Dienstleistungsgründer leben lässt?

Apropos Banken: Das Desaster der Landesbanken ist keineswegs aufgearbeitet. Manche sind noch viel zu schwach. Und eine Neuordnung, in der solche Institute aufgelöst, zusammengeführt und im Sinne des Gemeinwohls neu organisiert werden, ist nicht in Sicht.

Wo ist aber vor allem eine Reform von der Dimension der Agenda 2010, die dafür sorgt, dass die Kinder aus dem Keller der Gesellschaft aufsteigen können?

Die Politik schuldet ihnen den großen Versuch, Kleinkinder flächendeckend zu betreuen, Schulkinder zu fördern, Alleinerziehende zu unterstützen, massiv zusätzlich in Migrantensprösslinge zu investieren. Die Verzinsung der dafür notwendigen Milliarden für Staat und Gesellschaft wäre gewaltig.

Also, Schwarz-Gelb, zurück an die Arbeit. Oder endlich an die Arbeit. Egal.