Wie misst man den Erfolg einer Kunstmesse? An der Qualität ihrer Teilnehmer. Und diese Qualität wiederum misst sich gemeinhin am Rang der Galerien im internationalen Netzwerk der Kunsthändler. Die Art Cologne , die nun zum 45. Mal stattfindet, war einmal die bedeutendste Kunstmesse in ganz Europa, ja der ganzen Welt. Von den sechziger bis in die neunziger Jahre verhalf die Messe zahlreichen deutschen Galeristen und Künstlern zu internationalem Erfolg, wichtige Galerien aus dem Ausland wollten unbedingt dabei sein – doch dann drohte die Messe in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.

Längst war die Art Basel zur erfolgreichsten Messe für zeitgenössische und moderne Kunst aufgestiegen, im vergangenen Jahrzehnt überholten dann auch noch die Frieze Art Fair in London und das Art Forum in Berlin die Kölner Messe. Die jetzt in den internationalen Rankings der Kunstmagazine ganz oben kursierenden Galerien wollten nicht mehr zur Art Cologne – und viele in Köln ansässige Galerien wanderten nach Berlin ab.

Doch seit dem vergangenen Jahr scheint die Kölner Kunstmesse wieder an Attraktivität zu gewinnen . Wenn am 12. April die Art Cologne feierlich eröffnet, dann werden die Besucher dort auf einige der führenden Galerien der Welt stoßen. Galerien, die entweder lange nicht mehr oder noch nie zuvor an dieser Messe teilgenommen haben. Zur Gruppe der Ersteren gehört Michael Werner , der legendäre Galerist von Jörg Immendorff, Markus Lüpertz, Per Kirkeby und A.R. Penck, der dieses Jahr auch mit dem Art-Cologne-Preis geehrt wird.

Werner war Ende der sechziger Jahre das erste Mal als Mitarbeiter der Galerie Rudolf Springer auf der Kölner Messe dabei, mit seiner eigenen Galerie durfte er erst 1973 einen Stand bespielen – die Messe bestand damals aus einem sehr exklusiven Kreis, das Aufnahmeverfahren war mühsam. Später hat er viele Ausgaben der Messe ausgelassen, obwohl die Art Cologne um seine Teilnahme kämpfte. Dieses Jahr war die Messe wieder erfolgreich, Michael Werner, der Galerien in Köln, New York und in Märkisch Wilmersdorf in Brandenburg betreibt, wird auf der Art Cologne Gemälde von Sigmar Polke und Peter Doig zeigen.

Auch die Galerie Hauser & Wirth wird in diesem Jahr zu den Ausstellern zählen, erst ein einziges Mal hat sie an der Messe teilgenommen, das war vor zehn Jahren. Die in London, Zürich und New York beheimatete Großgalerie zeigt in Köln neben Kunst von Louise Bourgeois auch Skulpturen von Paul McCarthy, etwa einen Weißen Schneezwerg für 750.000 Dollar oder die Installation Puppet für 1,8 Millionen Dollar. Aus New York kommen die Galerien Andrew Kreps, Leo Koenig und auch die Team Gallery angereist, deren Galerist José Freire Kontakt zu deutschen Sammlern sucht. Auch der Berliner Galerist Guido Baudach wird diesmal in Köln dabei sein, an seinem Stand wird Kunst in schwarzen und weißen Tönen von Thomas Zipp, Rashid Johnson und Björn Dahlem dominieren. Zur Art Cologne hat ihn vor allem deren neuer Direktor Daniel Hug gelockt. Der ehemalige Galerist Hug verstehe, sagt Baudach, was die Kollegen von einer Kunstmesse erwarten.

Und so könnte die Art Cologne, so die Vermutung vieler Händler, dem Art Forum in Berlin wieder den Rang als Deutschlands wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst ablaufen. In Berlin hat sich das Gallery Weekend (29. April bis 1. Mai) als Leistungsschau der hier ansässigen Großgalerien durchgesetzt, eine reguläre Messe mit aus dem Ausland anreisenden Galerien brauche es nicht. Warum? Berlin, so sagt auch Michael Werner, sei vor allem eine Stadt der Kunstproduzenten, nicht eine der Kunstabnehmer.

Welch wichtige Sammlertradition es hingegen im Rheinland – und in den angrenzenden Beneluxländern – gibt, daran erinnerte erst vergangene Woche die Nachricht von einer großen Schenkung. Die im November verstorbene Aachener Sammlerin Irene Ludwig hat dem Museum Ludwig in Köln testamentarisch nochmals 508 Kunstwerke im Wert von Hunderten Millionen Euro geschenkt, darunter Bilder von Malewitsch, Rodtschenko, Degas, Matisse und Klee.

Emphatisch vertritt Michael Werner seine Teilnahme an der Art Cologne übrigens nicht. Es sei eine reine Glückssache, ob man dort gute Geschäfte mache. Außerdem fehle die inhaltliche Spannung. "Früher hat es auf den Kunstmessen noch hitzige Debatten um die Kunst gegeben, es gab klare Parteiungen." Heute regiere ein "taubes Netzwerk", die Rationalität habe über die Obsession gesiegt. Vieles laufe heute wieder so langweilig nebeneinander her wie schon zu Beginn der sechziger Jahre, vor den Zeiten des Aufbruchs. Der heutige Trend zum Dekorativen in der Kunst, so Michael Werner, erinnere ihn allerdings an eine noch ältere Zeit, an den Barock: Auch damals hätten die Feuerwerker mehr als die Maler verdient.