Nun wird auch die Linke grün. Angesichts der niederschmetternden Wahlergebnisse in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg verlegen sich einige ihrer Strategen sogar darauf, die Grünen als "Atom-Partei" zu verteufeln, weil sie sich mit dem Ausstieg viel länger hätten Zeit lassen wollen als die Linke. Die will am sofortigsten von allen aussteigen.

Die West-Ausdehnung der Linkspartei ist gestoppt . Wie groß die Verzweiflung jetzt ist, das lässt sich an dem Gerücht ablesen, die Rückkehr von Oskar Lafontaine stehe unmittelbar bevor . Zwar glaubt niemand wirklich daran. Aber der Name des saarländischen Fraktionschefs kündet von den goldenen Zeiten, als man sich um das Kerngeschäft der Linkspartei kümmern konnte: den Bruderkampf gegen die Sozialdemokratie.

Etwas Besseres als eine rot-grüne Regierung, die Arbeitsmarktreformen in Angriff nahm und deutsche Soldaten auf den Balkan schickte, konnte der Linken nicht passieren. Tausende von Mitgliedern verließen die SPD, aus Wut und Enttäuschung.

Das ging so lange gut, wie es keinen Lagerwahlkampf gab. Das war schon in Hamburg anders und in Baden-Württemberg erst recht. "Rechts" und "Links" sind wieder da, diesmal als Schwarz-Gelb und Grün-Rot. Jetzt zeigt sich: Die Linke ist nichts ohne eine regierende SPD; aber wo die SPD regiert, braucht der Wähler keine Linke mehr. Das ist die selbstzerstörerische Dialektik im Leben Oskar Lafontaines: Er hat so viel Kraft auf den Erzfeind SPD verwandt, dass sein eigener Verein nun kurz vor dem Ausbluten steht.

Weil seine Partei nur Bruderkampf kann, ist sie so ähnlich verarmt wie die FDP. Die Linke hat bloß noch ein Thema: die Eigentumsfrage. Was als "Kommunismus"-Debatte bizarre Formen angenommen hatte, enthielt eben doch einen wahren Kern: Die Systemfrage ist es, die die Linke letztlich von der SPD unterscheidet, ihr Distinktionsmerkmal, ihre Existenzberechtigung.

Aber der nackte Materialismus, das lernt auch die FDP gerade, passt nicht mehr in die Landschaft, hat vielleicht noch nie gepasst. Als die Bürger in Stuttgart für mehr Beteiligung auf die Straße gingen, wollte die Linke darüber reden, wem die Parkbäume gehören. Aus Fukushima hat die Linke gefolgert, dass Atomenergie nicht in Privatbesitz sein darf (wie hieß es in der DDR: "Kernkraft in Arbeiterhand ist sicher"). Die Verkäuferin bei Schlecker, so findet die Linke, braucht keine Frauenquote – das ist was für Studienrätinnen –, sondern gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Und so weiter.

Aber die Verkäuferin bei Schlecker will womöglich mehr von ihrem Leben als nur gleichen Lohn. Acht Stunden sind kein Tag.