Im wichtigsten Kakaoexportland der Welt herrscht Bürgerkrieg. Die Menschen in der Elfenbeinküste erleiden derzeit einen blutigen Machtkampf mit entsetzlichen Folgen für die Zivilbevölkerung. Man muss es wohl so sagen: Das Geschäft mit dem Kakaoexport allein ist kein Weg in den Wohlstand. Schon vor der Gewalteskalation war fast die Hälfte der Bewohner in Armut versunken und wurde regiert von einer maroden Verwaltung.

Die Elfenbeinküste zeigt damit erneut, was Entwicklungsexperten schon lange wissen und was eigentlich auch selbstverständlich erscheint: Krieg und Unterentwicklung sind eng miteinander verwoben. Schon der Ökonom Paul Collier sah "die unterste Milliarde" in der Falle von Ressourcenkonflikten, schlechter Regierungsführung oder ihrer geografischen Lage zwischen Krisenländern gefangen.

In der Entwicklungspolitik spielte das aber nicht immer eine Rolle. Deshalb ist es begrüßenswert, wenn die Weltbank ihren diesjährigen Weltentwicklungsbericht genau diesem Zusammenhang widmet: "Konflikte, Sicherheit und Entwicklung". Kommende Woche stellen ihre Experten in Washington Lösungsansätze vor. Was kann Entwicklungspolitik in Staaten bewirken, die von wiederkehrenden Bürgerkriegen, Organisiertem Verbrechen und politischen Revolten zerrissen sind?

Ihre Bilanz der internationalen Politik ist ernüchternd. Obwohl Interventionen in vielen Ländern Kriege beenden konnten , ist rund ein Viertel der Menschheit weiter von Gewalt bedroht und damit von Not. Zwar lebt die große Mehrheit der Armen in Schwellenländern wie China und Indien. Doch die geringste Chance, diesem Schicksal zu entkommen, hat man in Haiti, im Kongo oder in Sierra Leone, in Afghanistan oder Usbekistan. Dort ist das Risiko, Hunger zu leiden oder ein Kind zu verlieren, doppelt so hoch wie in anderen Entwicklungsländern. Keiner der fragilen Staaten hat eines der acht Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen erreicht. Deshalb fordern viele Experten, die internationalen Geber sollten dort mehr tun.

Dringlich ist das, aber auch sehr schwierig. Nicht erst die Intervention in Afghanistan hat gezeigt, wie Entwicklungshilfe, die von außen kommt, von korrupten oder kriminellen Gruppen im Lande instrumentalisiert wird. Manche Nichtregierungsorganisationen warnen davor, die Entwicklungspolitik allzu dicht an der Seite der Außenpolitiker und Militärs zu leisten. Auch im Weltentwicklungsbericht wird betont, dass die Bank ihr Mandat nicht überschreiten, sondern die Wirkung ihrer Eingriffe in Krisenregionen verbessern wolle. Dazu hat das Forscherteam Erfahrungen von Ländern wie Ghana und Mosambik ausgewertet, in denen es Fortschritte gibt.

Man kann aus all dem etwas lernen. Das meiste klingt nicht neu, ist aber trotzdem richtig: Stabile demokratische Institutionen sind aufzubauen, einschließlich der Polizei. Man muss der Zivilgesellschaft Rückhalt geben, die Korruption bekämpfen, Verständigungsprozesse in den Gemeinden staatlich organisieren und bei all dem die Frauen einbeziehen. Das ist in der Praxis nicht leicht. Die Geber müssen in fragilen Staaten risikobereiter arbeiten. Sie müssen Rückschläge einstecken können und viel Geduld mitbringen.

In der jüngeren Zeit ist auch ein vielversprechender neuer Ansatz entdeckt worden: Es zahlt sich offenbar aus, wenn der Staat einbezogen wird und viel Geld in arbeitsintensive Entwicklungsprogramme steckt. Dann finden die Menschen Jobs. Das ist eine Antwort auf das Problem, dass kriminelle Banden oder gewalttätige Rebellen überall Männer rekrutieren, die weder Jobs noch Perspektiven haben. Bisher hatte die Weltbank bei ihren Förderstrategien häufig allein auf Wachstumsraten geschaut, kaum aber auf deren Beschäftigungswirkung – und dabei Krisen wie in Nordafrika mit geschaffen.

Der bevorstehende Weltbankbericht enthält auch die Ermahnung, dass interne Spannungen oft durch Einflüsse von außen verstärkt werden. Wenn sich zum Beispiel immer öfter Investoren aus den reichen Staaten wertvollen Boden oder andere Ressourcen in armen Ländern aneignen und damit lokale Landkonflikte schüren, dann sind internationale Regeln erforderlich, über die Entwicklungspolitik hinaus.