Das wird jetzt aber bitte nicht wieder so ein Blödsinn!" So eröffnet Stefan Petzner das Gespräch. Am Ende hört er gar nicht mehr mit dem Erzählen auf. Er vergleicht seinen Mentor Jörg Haider mit Karl Marx, spricht über Thomas Bernhard, den alle immer getreten und gedroschen hätten, und er sieht Europa einen Aufstand bevorstehen, der das Parteiensystem hinwegfegen werde. Und danach? Das wisse er genau, aber er dürfe es nicht sagen – noch nicht.

Es ist ein verregneter Frühlingsnachmittag, die Klagenfurter Altstadt wirkt so bedrückt und menschenleer, als ob sie noch immer um den verstorbenen Übervater der Kärntner trauern müsste. Vor wenigen Tagen ist Petzner als Kärntner BZÖ-Chef zurückgetreten, jetzt sitzt er in der Bar des Hotels Moser Verdino, seinem Stammlokal, wo er noch immer jene ehrfurchtsvollen Blicke auf sich zieht, die ihm einst im ganzen Land zugeworfen wurden, als er noch dem innersten Zirkel des Haider-Regimes angehörte. Petzner lümmelt auf einer braunen Lederbank und spürt, dass auch hier seine letzte Macht bald verflogen sein wird. Er kennt die Kärntner Seele, die sich nur dem zu Füßen wirft, der auch die Macht hat, sie zu dieser Unterwerfung zu zwingen. Und er besitzt keine mehr. "Über diesem langweiligen Parteienhickhack", behauptet er trotzig, "da stehe ich schon lange drüber."

Wie die großen Philosophen möchte er den Weltenlauf beeinflussen

Freiwillig sei der Rücktritt aber nicht gewesen, sagt er: "Man hat den Wunsch geäußert, und ich habe entsprochen." Aber es sei ihm egal, in Wirklichkeit sei er sowieso kein Öffentlichkeitsmensch, sondern ein Strippenzieher, und den Amtsverlust sehe er als "positive Entwicklung". Was er sich da schönredet, sind die letzten Etappen einer Politikerkarriere, die ihresgleichen sucht und für Schlagzeilen über die Landesgrenzen hinaus gesorgt hat.

Als Jörg Haider in der Nacht zum 11. Oktober 2008 mit seinen VW Phaeton in den Straßengraben schleuderte, war das der Anfang vom Ende des politischen Lebens des Stefan Petzner. Damals stand er im Zenit seiner Macht – mit der Todesfahrt des Kärntner Landeshauptmanns verebbte auch sein kometenhafter Aufstieg.

In aller Öffentlichkeit heulte er dicke Trauertränen und jammerte in den Boulevardzeitungen, er habe ja nur den Jörg gehabt. Wie recht er mit diesen Worten haben sollte, ahnte er damals wohl selbst noch nicht. Während alle noch spekulierten, wie es zum Bruch im innigen Verhältnis der beiden "Lebensmenschen" kam, packten die Mannen rund um den Großgrundbesitzer Uwe Scheuch ihre Messer aus. Haiders schrille Marotten und Eskapaden mussten alle Freiheitlichen wegen seiner diktatorischen Macht schlucken, den weinerlichen Stefan wollten die Diadochen nun aber loswerden. Einer nach dem anderen rückte von Petzner ab.

Scheuch und dessen Ahänger setzten ihn zunächst als Kanonenfutter für die Medien an die Spitze ihrer kopflosen Bewegung und schnapsten derweil im Hinterzimmer die Machtfragen aus – für Petzner war dort kein Platz mehr frei. Wie im freiheitlichen Lager wirklich über ihn gedacht wurde, zeigte der blaue Europaabgeordnete Andreas Mölzer beim Parteitag 2010, bei dem sich die freiheitlichen Kärntner von Haiders politischer Sekte BZÖ wieder lossagten. Am Gang des Klagenfurter Konzerthauses höhnte er im Kreis von Vertrauten: "Mit einer Schwuchtel kann man eben keine Politik machen."

Auch das Jahr 2011 meinte es bislang besonders schlecht mit Petzner. Zunächst ertappte ihn die Polizei zweimal beim Fahren ohne Führerschein, den hatte er abgeben müssen, weil er im Vorjahr mit 180 Stundenkilometern in eine Radarfalle gerast war. Im März verdonnerte ihn ein Gericht in Klagenfurt wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses zu einer Geldbuße von 38.000 Euro. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der illegalen Wahlkampffinanzierung, und dazu kommt eine mögliche Verwicklung in die Affäre um die blaue Werbeagentur Connect.

Petzner zeigt sich von alldem unbeeindruckt. Er trägt ein körpereng tailliertes Sakko, um den Hals baumelt ein violett-dunkelgrüner Schal, seine Hautfarbe ist wie üblich von einer künstlichen Bräune mit orangem Stich. Vor ihm steht ein Campari Orange, im Mund steckt immer eine Marlboro.