Die Frage ist doch, warum? Warum einen Renault, wenn man für kaum mehr Geld einen VW made in Germany haben kann? Genauer: Warum einen französischen Mittelklasse-Kombi mit dem zugegebenermaßen schönen Namen Grandtour, wenn man auch Golf Variant fahren könnte? Die Kollegen vom stern brachten die deutsche Autoliebe einmal so auf den Punkt: "Wenn die Dinge so sind, wie sie sein sollen – dann hat man eine gute Chance, in einem Golf unterwegs zu sein." Warum also etwas anderes?

Fangen wir damit an, dass Renault erhebliche technische Fortschritte macht. Der Dieselmotor, eigentlich eine deutsche Domäne, arbeitet im Testwagen erstaunlich leise und sparsam. Auch der Name Grandtour ist nicht unverdient. Eine Fahrt quer durchs Land ist selbst für eine Familie mit zwei Kindern ein angenehmes Unterfangen. Und soll es auf der linken Spur einmal sein, kann der Motor kräftig beschleunigen – auch wenn man das Sechsganggetriebe dann in so mancher Situation erst herunterschalten muss.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Der Rücken ist entspannt, vorne wie hinten gibt es viel Platz für die Beine. Überhaupt erzeugt der Franzose das Gefühl, in einem großen Auto zu sitzen – allerdings auch den Eindruck, es gehe nicht ganz so hochwertig zu wie bei der deutschen Konkurrenz: das Plastik fürs Interieur etwas zu grob, die Zierleisten etwas zu aufdringlich, die Schalter liegen nicht ganz richtig, und der Bordcomputer für Navigation und Unterhaltung ist alles andere als selbsterklärend. Das Äußere setzt sich zwar sichtbar vom Einheitslook anderer Marken ab, ist aber auch hoffnungslos überdesigned.

Es ist eben nicht alles so, wie es sein soll. Nicht ganz so, wie es die deutsche Autoseele wünscht. Doch dafür gibt es von manchem bei gleichem Preis mehr als bei der hiesigen Konkurrenz: Raumgefühl, Sitzkomfort, Motorkraft. Gleicher Preis heißt aber nicht gleicher Wiederverkaufswert, auch das gehört zur manchmal etwas unfairen Autowahrheit. Da haben deutsche Autos in Deutschland in der Regel einen erheblichen Vorteil.

Man hat es oft gelesen, wenn die Franzosen wieder ein neues Mittelklasseauto vorstellten: Der ist ja erstaunlich nah dran. Immer ist das Lob ein wenig gönnerhaft. Das sollte es nicht sein. Wenn jemand die deutschen Autobauer zu Höchstleistungen in der Mittelklasse treibt, dazu, sparsame, praktische, gut aussehende Autos zu bauen, dann sind es die innovativen und angriffslustigen Nachbarn.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 96 kW (130 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 9,5s
Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
CO2-Emission: 135 g/km
Durchschnittsverbrauch: 5,1 Liter
Basispreis: 22.450 Euro

Uwe Jean Heuser ist Ressortleiter Wirtschaft bei der ZEIT