Schavan : Sie darf nicht einmal den Anschein erwecken, jemanden missionieren zu wollen.

ZEIT : Wo sollen diese ausgebildeten Imame eigentlich einmal Arbeit finden?

Uçar : Das ist ein großes Problem. Ein großer Teil der Imame erhält sein Gehalt aus dem Ausland, die meisten aus Ankara. In anderen Moscheen predigen pensionierte Imame aus der Türkei, die ihre Rente aufbessern, oder Teilzeitimame. So gut wie keine Gemeinde ist heute in der Lage, einem Imam Gehalt zu bezahlen, das einem Akademiker angemessen ist. Eine islamische Kirchensteuer gibt es nicht, und auch der deutsche Staat darf die Prediger nicht bezahlen.

Schavan : Auch dafür brauchen wir kreative Lösungen. Möglich wäre es zum Beispiel, dass Imame als Religionslehrer eine Anstellung in der Schule finden; eventuell mit einer halben Stelle. Das kennen wir auch von christlichen Pfarrern. Diesen Vorschlag finde ich sehr interessant.

ZEIT : Der vergangene CDU-Parteitag in Karlsruhe hat beschlossen, dass Zuwanderer die deutsche Leitkultur "respektieren und anerkennen" sollen. Was heißt Leitkultur für Sie?

Schavan : Eine Volkspartei muss sich auch immer die Frage stellen nach dem kulturellen Kitt einer Gesellschaft. Jahrelang ist in diesem Land von Multikulti geschwärmt worden und die Integration vergessen worden. Es war die Union, die den ersten Integrationsminister hatte und die in Niedersachsen als Erste eine Einwanderin zur Ministerin machte. Unter Bundeskanzlerin Merkel wurden die Islamkonferenz und der Integrationsgipfel einberufen. An diesen Taten messe ich die CDU.

ZEIT : Und was verstehen Sie nun unter Leitkultur?

Schavan : Den Geist des Grundgesetzes, der von der einzigartigen Würde des Menschen ausgeht, und den Gottesbezug in der Präambel, der zu unserer religionsfreundlichen Gesellschaft gehört.

Uçar : Mit dieser Leitkultur kann ich wunderbar leben.