Geld allein tut nichts Gutes. Wenn es eines neuen Belegs für die alte Einsicht der Entwicklungshelfer bedurfte, hat ihn die Popsängerin Madonna nun geliefert. Von den elf Millionen Dollar, die sie aus eigener und fremder Tasche für eine Mädchenschule in Malawi gesammelt hat, ist dort nicht mehr angekommen als das, was für eine symbolische Grundsteinlegung nötig war. Symbolisch bedeutet in diesem Fall wirklich symbolisch. Nach dem ersten Spatenstich sei kein einziger Ziegel mehr auf der Baustelle des Hilfsprojekts zu sehen gewesen, schreibt die New York Times. Stattdessen sind schon einmal 3,8 Millionen Dollar spurlos versickert – das heißt ohne Spuren der beabsichtigten Hilfe. Spuren der Millionen gibt es wohl, sie führen aber zu den Autos, Büros und Golfclubmitgliedschaften, die sich Funktionäre des Projektes angeblich geleistet haben.

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Geld allein tut nichts Gutes. Man muss auch mit dem Herzen dabei sein. Davon weiß die Bibel noch länger als die Entwicklungshilfe . Wäre Madonna mit dem Herzen dabei gewesen, dann hätte sie sich nicht nur um das prestigeträchtige Eintreiben der barmherzigen Kollekte gekümmert, sondern auch um die Durchführung des Projektes, zumindest um eine sachkundige Auswahl des durchführenden Personals. Dass sie ihren langjährigen Fitnesstrainer mit der Leitung betraute, zeigt die ganze Wurschtigkeit, um nicht zu sagen: ihr frivoles Desinteresse an der Sache.

Es ehrt Madonna, dass sie so etwas wie eine karitative Verantwortung für die Armen Afrikas empfindet; diese und andere Projekte, ebenso wie ihre umstrittenen Adoptionen zweier malawischer Kinder, könnten durchaus für ein unruhiges Gewissen sprechen, das schließlich nicht alle Reichen empfinden. Aber von der Verantwortung, wenn man sie einmal gespürt hat, und erst recht von einem schlechten Gewissen kann man sich nicht einfach freikaufen. Der moderne Ablasshandel mit dem Dritte-Welt-Engagement funktioniert genauso wenig wie der alte Ablasshandel der katholischen Kirche, der einst mit dem Slogan warb: "Wenn das Geld im (Sammel-)Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt."

Nein, tut sie nicht. Die Seele, die sich von ihrer Sündenfurcht durch Geldspenden zu befreien sucht, legt nur Zeugnis von ihrer Bequemlichkeit ab – wenn nicht gar von dem eitlen Wunsch, vor der Welt zu glänzen. Das überzeugt im Himmel niemanden.