DIE ZEIT: Frau Rau, Sie bieten mit Ihrem Büro Kopp Tours Reisen für Landwirte an. Halten Sie Bauern für so spezielle Menschen, dass sie nur mit ihresgleichen verreisen wollen?

Isabella Rau: Zumindest sind Landwirte eine spezielle Klientel. Die meisten verreisen selten, für viele ist der Urlaub mit uns die erste Reise ihres Lebens. Viele unserer Kunden sagen, sie hätten kaum Zeit dafür, was sicherlich stimmt. Aber es fehlt vielen Bauern auch an der Motivation, den eigenen Hof für ein paar Tage zu verlassen.

ZEIT: Und wieso buchen sie dann trotzdem?

Rau: Ganz häufig ist die Reise ein Geschenk von den eigenen Kindern – etwa zur Silberhochzeit. Da sagt dann der Sohn oder die Tochter zu den Eltern: Ihr müsst mal raus. Das Ehepaar will aber keine gewöhnliche Reise machen, auf den klassischen Strandurlaub haben viele Landwirte einfach keine Lust. Unser Büro bietet dann eine gute Alternative.

ZEIT: Wie sieht die aus?

Rau: Auf unseren Reisen gibt es immer ein Ausflugsprogramm, das besonders für Landwirte interessant ist. Wir besuchen zum Beispiel eine Rinderzucht in den USA, eine Aquakultur in Skandinavien, die Obstplantagen in Madeira und Kakaobauern in Afrika. Oder aber, eher exotisch, wir reisen zu einer Kamelfarm in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Teilnehmer haben dabei das Gefühl, dass sie etwas Sinnvolles tun. Das haben sie bei einer reinen Erholungsreise nicht.

ZEIT: Wie lange dauern Ihre Reisen? Die meisten Landwirte werden ihren Hof und die Tiere nicht für Wochen alleine lassen können.

Rau: Das hören wir oft. Wir bieten deshalb Reisen von wenigen Tagen bis zu maximal zwei Wochen an. Das bekommen die Landwirte organisiert, vor allem im Winter. Nehmen Sie einen Geflügelzüchter. Natürlich kann der nicht vor Weihnachten wegfahren, wenn Kunden Schlange stehen, um Gänse zu kaufen. Aber danach wird es deutlich ruhiger auf seinem Hof, da ist ein Urlaub schon mal drin.

ZEIT: Haben Bauern nach einem anstrengenden Jahr im Stall und auf dem Feld nicht das Bedürfnis, einfach mal auszuspannen? Eine Versicherungskauffrau schaut auf den Malediven schließlich auch nicht bei einem örtlichen Versicherungsbüro vorbei...

Rau: Das ist etwas anderes. Wer von neun bis fünf in einem Büro arbeitet und dort abends die Tür zumacht, ist längst nicht so verwurzelt in seinem Beruf. Da gibt es eine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Jeden Tag. Für die meisten Landwirte ist der Beruf ihr Leben. Das lässt sich eben nicht trennen. Die arbeiten letztlich 24 Stunden am Tag. Sie müssen aber auch mal rauskommen, da haben die Kinder vollkommen recht. Bei uns bekommen Sie einen Tapetenwechsel.

ZEIT: Wie alt sind Ihre Gäste?

Rau: In der Regel sind sie 40 Jahre oder älter. Deutlich mehr Männer als Frauen verreisen mit uns. Es melden sich aber auch viele Ehepaare an. Acht bis zehn Reisen im Jahr veranstaltet Kopp derzeit, jeweils 10 bis 45 Bauern nehmen teil.

ZEIT: Frühstück gibt es um 4 Uhr morgens, weil es die Landwirte nicht anders kennen?

Rau: Nein, viele von unseren Gästen wollen morgens schon etwas länger schlafen als daheim. Üblicherweise beginnt der Tag zwischen 7 und 8 Uhr. Nach dem Frühstück schauen wir uns dann etwas an. Oft sind die Betreiber der Höfe, die wir besuchen, deutsche Auswanderer – etwa in Namibia. Wobei wir nicht nur Farmen und Plantagen besichtigen. Wir bieten auch das normale Touristenprogramm an. Leicht abgewandelt.

ZEIT: Das heißt?

Rau: Natürlich gehen wir auch in Museen. Aber eben nicht in erster Linie in solche mit Kunstsammlungen. Oft dreht es sich in den Ausstellungen um Maschinen oder um Tiere.

ZEIT: Und abends?

Rau: Da wir oft auf dem Land untergebracht sind, ist es mit dem Ausgehen im klassischen Sinne oft schwierig. Halligalli gibt es da nicht. Manche gehen abends noch in einen Pub etwas trinken, viele wollen aber auch schon früh schlafen.

ZEIT: Bieten Sie Bildungsreisen für Landwirte an?

Rau: Zumindest vergleiche ich unser Angebot gerne mit dem Programm von Studiosos. Die Kollegen organisieren spezielle Reisen für Kulturinteressierte. Auch unsere Gäste holen sich in der Fremde wertvolle Anregungen, sehen etwa, wie es mit der Tierzucht in anderen Ländern funktioniert. Mit welchen Maschinen melken Texaner ihre Rinder? Lohnt sich die Eröffnung einer Straußenfarm, wie es sie in Australien gibt? Die Reisebegleiter sind studierte Agrarwissenschaftler, die sich mit der Materie auskennen. Nicht unterschätzen sollte man, dass unterwegs Netzwerke entstehen. Man lernt andere Menschen kennen, zu denen man Kontakt hält.

ZEIT: Entwickeln sich in der Gruppe Freundschaften?

Rau: Absolut. In der Regel bildet sich auf jeder Reise eine Clique, die viel zusammen unternimmt – auch nach Ende der Reise. Manchmal fahren kleine Gruppen noch einmal auf eigene Faust zu den Leuten, die wir besucht haben.

Interview: Anne Lemhöfer