DIE ZEIT: Herr Middelhoff, der Arcandor-Insolvenzverwalter verlangt 175 Millionen Euro Schadensersatz von Ihnen. Gibt Ihr Vermögen das her?

Thomas Middelhoff: Ich habe den Eindruck, dass er das selber nicht ernst meint. Diese Klage ist ohne Substanz und damit verbunden auch die Kampagne, die ich zwei Jahre über mich ergehen lassen musste. Was das Vermögen angeht – so nett ich Ihre Frage finde, ich werde sie Ihnen nicht beantworten.

ZEIT : Nun ist der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg nicht irgendwer, sondern ein außerordentlich renommierter Mann. Womit erklären Sie sich die Härte seines Vorgehens, auf das Sie wiederum mit einer Strafanzeige antworten?

Middelhoff : Herr Görg hat eine Theorie, die jeden Wirklichkeitsbezug vermissen lässt. Sie besteht darin, dass ich mit dem Bauunternehmer und Vermögensverwalter Josef Esch sowie mit der Bank Sal. Oppenheim zum Nachteil von Karstadt zusammengearbeitet haben soll – und zwar aus Eigennutz.

ZEIT : Was verspricht sich Herr Görg?

Middelhoff : Er möchte an die Manager-Haftpflichtversicherung, die Arcandor damals für mich abgeschlossen hat und die 175 Millionen Euro deckt – genau die Klagesumme.

ZEIT : Vermutlich wünschen sich viele Frauen aus dem Quelle-Versand, die durch die Pleite von Arcandor ihren Arbeitsplatz verloren haben, dass Sie verurteilt werden.

Middelhoff : Mir tut es um jeden dieser Arbeitsplätze leid, aber als ich ging, war eine Insolvenz kein Thema. Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen. Das werden die Prozesse zeigen.

ZEIT : Nehmen wir an, Sie würden doch verurteilt. Dann hieße das, Sie hätten pflichtwidrig gehandelt. Zahlt dann die Versicherung?

Middelhoff : Sie zahlt, wenn ein Manager fahrlässig gehandelt hat. Sollte Görg aber darauf zielen, dass ich vorsätzlich gehandelt habe, dann zieht keine Manager-Haftpflichtversicherung, dann würde sich die Frage wirklich so stellen, wie Sie sie gestellt haben: Hat der Herr Middelhoff überhaupt so viel Geld?

ZEIT : Ein gutes Stichwort. Sie haben Ihr privates Vermögen von Josef Esch verwalten lassen, und der hat Ihr Geld in Karstadt-Immobilien angelegt, bevor Sie dort Chef wurden. Halten Sie das im Nachhinein für eine gute Idee?

Middelhoff : Der Grund, warum ich Herrn Esch kennengelernt habe, lag fatalerweise in einer Prämie, die ich vom Medienkonzern Bertelsmann zugesprochen bekommen habe, dessen Chef ich war. Wenn man so will, fingen damit meine Probleme an. Ohne die Prämie ginge es mir vielleicht besser.

ZEIT : Sie waren in der Notlage, plötzlich 40 Millionen unterbringen zu müssen?

Middelhoff : Ich hatte noch nie so viel Geld gehabt.

ZEIT : Wie kamen Sie dann an Herrn Esch?

Middelhoff : Ich wollte keine Ortsgröße, sondern die beste Adresse. Also habe ich Rolf Breuer gefragt, der damals Chef der Deutschen Bank war und im Aufsichtsrat von Bertelsmann saß. Der riet mir: "Kommen Sie zu uns, und wenn Sie das nicht wollen, empfehle ich Sal. Oppenheim." Und weil ich nicht wollte, dass Rolf Breuer weiß, was ich so mache und habe, habe ich Alfi von Oppenheim angerufen. Der meinte, er schicke jemanden vorbei, aber da müsse ich Vertrauen haben. Der sehe etwas gewöhnungsbedürftig aus, aber er ordne und verwalte sehr große Vermögen.

ZEIT : Interessante Einführung.

Middelhoff : Das erste Treffen mit Josef Esch war bei uns zu Hause, ich glaube, an einem Donnerstag, abends gegen 22 Uhr. Vorher hatte man bei Bertelsmann nie Zeit. Er saß also hier und hatte noch zwei Partner von Sal. Oppenheim dabei. Nach drei Minuten war klar, wer das Sagen hat, und auf Kölsch ging das rauf und runter. Dann hat er mir die Dinge erklärt, die ich, offen gestanden, nicht sofort verstanden habe. Und er hat gesagt, er mache rundum Gesamtvermögensverwaltung.

ZEIT : Er hat dann empfohlen, das Geld in Immobilien anzulegen. Er war ja Bauunternehmer.

Middelhoff : Das Konzept war relativ einfach: Aus steueroptimierenden Gründen floss das Geld in geschlossene Immobilienfonds.

ZEIT : Dafür haben Sie auch Kredite aufgenommen. Vermögensbildung auf Pump, ist das solide?

Middelhoff : Es war ja schon ein beträchtliches Vermögen vorhanden, und die Anlagevorgabe für Herrn Esch war: konservativ und ohne Risiken. Das, was sonst negativ ist an geschlossenen Immobilienfonds, dass man nicht genau weiß, mit wem man sich einlässt, schien in diesem Fall kein Problem, weil immer die Bank Sal. Oppenheim mit investiert hat. Außerdem waren die Eigentümer der Bank mit privatem Vermögen dabei, also die Ullmanns, die Krockows, die Oppenheims. Und andere große Vermögen: der Schuhhändler Heinz-Horst Deichmann, die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz und so weiter. Diese Personen, wie auch andere bekannte Familien, hatten ihre Gesamtvermögensverwaltung bei Herrn Esch. Ich habe hier gesessen und gesagt, wo ist das Problem, ich bin ja wie Hans im Glück. Die Nachsteuerrendite betrug fünf Prozent.

ZEIT : Das waren nicht mal Wahnsinnsrenditen.

Middelhoff : Genau. Dann haben wir das noch mal diskutiert, meine Frau und ich. Meine Frau hatte gewisse Vorbehalte gegen die Person Esch. Aber dann haben wir gesagt, wir machen das. Na ja.

ZEIT : Hat er dann wirklich alles erledigt?

Middelhoff : Alles, die Gesamtvermögensverwaltung durch Herrn Esch unter dem Dach der Oppenheim-Esch-Holding. 50 Prozent der Anteile lagen bei der Bank Sal. Oppenheim, 50 Prozent bei Herrn Esch. Da werden Sie ja fast schon lebensuntüchtig, die regeln alles. Wenn beispielsweise unsere Tochter ein Auto brauchte, übernahm Josef Esch das: Auto kaufen mit Rabatt, Auto abholen, Auto anmelden und so weiter.