So sieht das revolutionäre Patt aus: Gadhafis Milizen erobern Misrata und werden wieder verjagt. Der Diktator ist dem Sieg fern, ganz wie die Rebellen in Bengasi. Oder so: Im Jemen erklärt die Opposition den Präsidenten für politisch tot – dennoch fällt Ali Salih seit Wochen nicht aus dem Sessel. Die Herrscher halten durch, selbst eine Nato-Intervention führt keine Entscheidung herbei, die Revolutionen drohen stecken zu bleiben.

Das ist ein völlig anderes Bild als in Tunesien und Ägypten. Diese Länder haben zu Beginn dieses Jahres ein Revolutionstempo vorgeführt, das sich so schnell nicht wiederholen lässt . Innerhalb weniger Wochen stürzten ihre Herrscher. Das konnte nur gelingen, weil die Revolutionäre etwas hatten, was andere Araber entbehren: eine Armee, die zum Volk hielt. Einen alternden Herrscher, der sich dem Druck der Armee ergab. Fehlen diese Voraussetzungen, dann kommt es im Laufe der Revolution zum Patt. Mitunter drohen Blutbäder. Hilfe von außen, auch aus Europa, ist dringend gefragt, und zwar die von Vermittlern. Wann ist der richtige Zeitpunkt für Verhandlungen? Was sollen sie erreichen?

Beispiel Jemen: Der Aufstand gegen den Präsidenten begann schon vor zwei Monaten. Der seit 1978 herrschende Ali Salih hat fest versprochen, sein Büro zu räumen, findet aber die Tür nicht. Längst sind wichtige Stämme und mächtige Armeekommandeure abtrünnig geworden. Die Streitkräfte sind gespalten wie die Herrscherfamilie. Die Revolution droht im blutigen Stammeskrieg zu enden. Verhandlungen sind überfällig. Deshalb versuchen nun Emissäre aus den Golfstaaten, Salih mit Geld und Garantien persönlicher Sicherheit aus dem Amt zu locken. Ein Versuch mit ungewissem Ausgang .

Verhandlungen können scheitern, wenn man sie falsch anpackt. Ein Beispiel lieferte die Afrikanische Union mit ihrem Vermittlungsversuch in Libyen Anfang dieser Woche. Der Zeitpunkt war trefflich, der Ansatz falsch. Er funktionierte nicht, weil die Afrikaner die Macht von Muammar al-Gadhafi und seiner Familie retten wollten. Aber über das Ziel der Revolution, den Herrschersturz, lässt sich nicht verhandeln. Nur über die Bedingungen.

Nun stecken die Milizen von Oberst Gadhafi weiter im Westen fest, im Osten die abtrünnigen Teile der Armee. Wenn nicht die Nato wäre, hätte Gadhafi schon gesiegt. Das ist der erste große Erfolg der internationalen Intervention. Aber wie kommt man aus dem Patt heraus? Briten und Franzosen drängen auf mehr direkte Angriffe gegen Gadhafis Truppen. Derweil planen die Türken eine neue Vermittlungsmission. Vielleicht gelingt es mit kombiniertem militärischem und diplomatischem Druck, Gadhafi zu stürzen.