Auf so einen Auftritt hat der Regierungschef lange warten müssen. "Za-pa-te-ro, Za-pa-te-ro", schallt es ihm im Stakkato von den Zuschauerrängen der Stadthalle von Alcalá de Henares entgegen. J osé Luis Rodríguez Zapatero muss die Menge erst einmal beruhigen, um zu Wort zu kommen. "Erinnert ihr euch", sagt er dann, "dass noch vor ein paar Monaten alle gesagt haben: Wenn Portugal fällt, dann ist Spanien als Nächstes dran?" Kurze Pause: "Sie haben sich geirrt. Spanien wird aus eigener Kraft aus der Krise gelangen!" Donnernder Applaus. Das wollen die Leute hören.

Doch hat Zapatero recht? Haben all die anderen recht, die Wirtschaftsministerin, die Ökonomen, der Chef des Internationalen Währungsfonds, der EU-Währungskommissar? All jene, die seit Portugals Hilferuf beim EU-Rettungsfonds unablässig betonen, Spanien werde nicht dem Dominoeffekt zum Opfer fallen? Von weiteren Sparmaßnahmen und Einschnitten in das Sozialsystem spricht der Regierungschef an diesem Tag nicht. Doch genau die werden nötig sein, wenn die Optimisten recht behalten wollen. Spanien ist noch nicht über den Berg.

"Was sollen die denn anderes erzählen", sagt tags darauf Fernando Fernández von der Madrider Wirtschaftshochschule IE Business School. "Wenn die ankündigen würden, dass nach Portugal demnächst auch Spanien unter den Rettungsschirm schlüpfen wird, bricht doch Panik aus, und Spanien bekommt keinen Cent mehr an den Finanzmärkten."

Spanien ist nicht Portugal. Dieser Satz, der nun wie ein Mantra wiederholt wird, stimmt in mancherlei Hinsicht. Vor allem aber geht die Furcht um, dass die viertgrößte Wirtschaftsmacht unter den Euro-Ländern eben nicht wie der kleine Nachbarstaat Portugal vor der drohenden Pleite gerettet werden könnte.

Nach Ansicht von Pimco gibt es wenig Grund zur Sorge. Die Fondsgesellschaft, die den weltweit größten Anleihenfonds verwaltet, ging kürzlich sogar raus aus US-Anleihen und schichtete stattdessen in spanische Papiere um. Die Rendite für spanische Anleihen ist mit 5,2 Prozent deutlich höher, das Ausfallrisiko allerdings auch. Doch der Zinsunterschied sei höher als die reale Gefahr, glauben die Pimco-Analysten. Mit der Verringerung des Haushaltsdefizits von elf auf neun Prozent im vergangenen Jahr und seinen Wirtschaftsreformen habe Spanien wichtige Schritte zum Schutz vor Ansteckung unternommen, sagt Andrew Bosomworth, Leiter des deutschen Portfoliomanagements in München. Seine Einschätzung wird von einer Analyse der Allianz gestützt, die wiederum die Muttergesellschaft von Pimco ist. Der Bericht erkennt vor allem die Einhaltung der Sparziele und die Verbesserung der Produktivität der Unternehmen an.

Die Zinsen für spanische Staatsanleihen sind seit Dezember deutlich gesunken

Das lange Zögern Portugals, Hilfe in Anspruch zu nehmen, habe Spaniens Regierung tatsächlich genutzt, um Reformen anzustoßen und die Investoren zu überzeugen, ist auch IE-Professor Fernández überzeugt. Deshalb sei die Ansteckungsgefahr nun geringer als noch im Dezember. Beweis dafür sei, dass Spanien am Tag des portugiesischen Hilferufs problemlos Staatsanleihen im Wert von 4,1 Milliarden Euro am Markt platzieren konnte. Der Zinssatz für zehnjährige Papiere betrug 5,2 Prozent. Im November waren es noch 5,67 Prozent. Alles hänge nun davon ab, dass die begonnenen Reformen auch zu Ende gebracht würden, warnt Fernández. Damit ist insbesondere die Sanierung der Sparkassen gemeint. Die vergaben zu Zeiten des Immobilienbooms oft leichtfertig Kredite und müssen nun laut der Zentralbank Banco de España um die Rückzahlung von Darlehen im Wert von 110 Milliarden Euro bangen. Angesichts einer Arbeitslosenquote von 22 Prozent können Tausende Häuslebauer ihre Kredite nicht mehr bedienen.

Die Banco de España und das spanische Wirtschaftsministerium erwarten, dass der Staat mit 15 Milliarden Euro bei den Sparkassen und einigen kleineren Banken einspringen muss. Andere wie die Rating-Agentur Moody’s rechnen mit mindestens 50 Milliarden Euro. Die Immobilien, die von säumigen Schuldnern zurückgenommen wurden, stehen meist noch mit unrealistisch hohen Preisen in den Büchern. "Je länger es dauert, bis wir über den tatsächlichen Bedarf Gewissheit haben, desto wahrscheinlicher ist, dass mit dieser Zahl erneut spekuliert wird und Spanien den Preis dafür bezahlen wird", sagt Fernández.