Der Ab-nach-links-Schwenk der FDP hinterlässt endlich eine geordnete Landschaft, auf welche die Deutschen so stolz sein können wie die Franzosen auf ihre Barockgärten, die im 18. Jahrhundert zum kontinentaleuropäischen Modell wurden. Da wuchert nichts, da bekriegt keine Pflanze die andere; das geometrische Gleichmaß ist starr und statisch.

Wie nunmehr die politische Landschaft in Deutschland, nachdem die FDP ihr letztes liberales Saatgut verbrannt hat. Die Steuerlast bleibt, die Atomkraft geht, die Freiheitsrechte treten auf der Stelle. In der Außenpolitik zeigen sich Reflexe, die vor gar nicht so langer Zeit bei Rot und Grün überwogen: national, neutralistisch, nicht-mit-uns. Rechts von der Union, die seit Merkel in der linken Hälfte arrondiert, wächst im Brachland nur noch NPD- und REP-Unkraut.

Jetzt sind alle Parteien irgendwie links – nicht umstürzlerisch und vorwärtsstürmend wie anno dazumal, sondern bremsend und bewahrend, also konservativ mit schwarz-rot-grün-gelber Färbung. "Keine Experimente" – Adenauers Parole, die ihm 1957 die absolute Mehrheit verschaffte – passt heute zu allen fünfen. Sie müsste nur leicht abgewandelt werden in "keine Risiken". Oder, um mit Karl Marx zu sprechen: Der Streit über die Ziele wird ersetzt durch die Verwaltung der Mittel.

Oder mit Hegel, der das "Ende der Geschichte" heraufziehen sah (obwohl er es so nicht gesagt hat). Alle Widersprüche der Gesellschaft würden sich in der großen "Synthese" aufheben. Diesen wohlgeordneten Garten haben die Deutschen nun beschritten. Denn die FDP – der letzte "Widerspruch" – hat ihre ideologischen Wurzeln gekappt, um sich auf der anderen Seite einzupflanzen – dort wo CDU/CSU, SPD, Grüne und ganz Rote schon um Wasser und Sonne konkurrieren.

Das konfliktscheue Herz muss sich an dieser Familienzusammenführung laben. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Kommunisten und Christdemokraten wie im ersten Bundestag erbitterte Redeschlachten lieferten. Oder die SPD und die Union bis in die Siebziger (über Wiederbewaffnung, Westbindung und Ostpolitik). Oder die Grünen mit allen anderen, als die Partei noch jung war. Nun sind sie sich endlich alle einig, inklusive der Liberalen, die sich in ihrer Geschichte ohnehin nie entscheiden konnte, ob sie ins nationale, freiheitliche oder Privilegierten-Lager gehörten.

Sie wollen alle den mächtigen Staat, der mit hohen Steuern einhergeht, Ergebnis- eher denn Chancengleichheit, eingehegtes Wachstum wie im Schlosspark zu Versailles, billige und zuverlässig fließende Energie ohne Ruß und Risiko, einen harten Euro mit minimalem deutschen Deckungsbeitrag, eine Außenpolitik, die fremde Händel ebenso fernhält wie deren flüchtende Opfer – kurzum: Berechenbarkeit und Beschaulichkeit.