Nichts gegen Bescheidenheit. Die Tatsache jedoch, dass die Hälfte der Lehrer der Meinung ist, wenig bis keinen Einfluss auf die Entwicklung ihrer Schüler zu haben, ist erschreckend. Das zumindest hat eine von der Vodafone-Stiftung finanzierte repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach ergeben. Verglichen wurden in der Studie allerlei Auffassungen der Deutschen zum Thema Bildung mit der Wahrnehmung von Pädagogen. Die meisten Erkenntnisse sind wenig spektakulär – etwa dass die Mehrheit der Deutschen und die Mehrheit der Lehrer sich für ein bundesweites Zentralabitur aussprechen und die Wertevermittlung für eine zentrale Aufgabe unserer Schulen halten.

Der Pessimismus indes, mit dem viele Lehrer ihre eigenen Gestaltungsmöglichkeiten beurteilen, wirft Fragen auf. Warum glauben nur acht Prozent, bei ihren Schülern wirklich etwas bewegen zu können, während 69 Prozent der Lehrer einen sehr großen Einfluss der Medien sehen, 68 Prozent des Freundeskreises und immerhin 31 Prozent der Eltern ihrer Schüler? Sind die Lehrer wirklich so sehr am Gängelband der Bildungsbürokratie, sind die ihnen gemachten Lehrvorgaben so drakonisch, kümmern die Eltern sich so wenig um ihre Kinder? All diese Gründe stehen in der Studie. Nur nicht der, dass es ganz angenehm sein kann, sich machtlos zu fühlen, denn dann muss man auch keine Verantwortung übernehmen für das, was geschieht.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Die Rahmenbedingungen an den Schulen sind und bleiben schwierig. Und doch können Lehrer bei ihren Schülern jeden Tag viel Gutes tun und viel kaputt machen. Wer anderes behauptet, sucht entweder eine bequeme Ausrede fürs Nichtstun oder steht kurz vor dem Burn-out. Nein, Lehrer haben immer noch einen enormen Einfluss. Sie müssen nur selbst daran glauben.