Dass sie zu Unterrichtsbeginn ihre Stifte zücken sollen, ist für die Schüler des Göttinger Max-Planck-Gymnasiums natürlich nichts Ungewöhnliches. Dass sie mit diesen speziellen Stiften radioaktive Strahlen durch eine Papierwand jagen sollen, dagegen schon. Und während der Geiger-Müller-Zähler dahinter ausschlägt, wird den sonst so coolen Neuntklässlern dann doch etwas mulmig zumute.

Svenja Grundey erprobt mit ihren Schülern die Unterschiede von Alpha-, Beta- und Gammastrahlung. Es ist Zufall, dass das Thema Radioaktivität ausgerechnet jetzt auf dem Stundenplan steht, kurz nach dem Unglück von Fukushima. Der Atomunfall trägt seinen Teil dazu bei, dass Svenja Grundey ihre Schüler interessiert und motiviert wie selten erlebt. Zwar versucht die 29-Jährige grundsätzlich, Alltagsbezüge herzustellen, wenn sie ein Thema behandelt, das sich für viele Schüler abstrakt anhört. Aber die leidenschaftlichen Diskussionen, die derzeit in ihrem Physikraum geführt werden, hätte es selbst dann nicht gegeben, wenn sie noch so viel Infomaterial über Tschernobyl ausgeteilt hätte. Jetzt sind die Schüler dankbar, dass die Lehrerin ihnen noch mal genau erklären kann, wie ein Atomkraftwerk funktioniert, welche Sicherheitssysteme es gibt und was da in Japan genau passiert.